Mandaterechner Schleswig-​​Holstein

Immer, wenn eine neue Umfrage her­aus­kommt, dann fra­gen wir uns: Und, wie sieht die Sitzverteilung aus? Und wenn, so wie bei der letz­ten Umfrage des NDR, gleich meh­rere Parteien ober– und unter­halb der 5-​​Prozent-​​Hürde ent­lang­schram­men, dann wol­len wir gern die Antwort auf die Frage „Und was wäre wenn …“ wissen.

Online ver­füg­bare Mandaterechner haben den Nachteil, dass sie ent­we­der Schleswig-​​Holsteins Besonderheit — die Befreiung der Parteien der däni­schen Minderheit von der 5%-Klausel — nicht berück­sich­ti­gen, das Höchstzahlverfahren nach Sainte-​​Laguë nicht anbie­ten oder den Benutzer im Unklaren las­sen, wenn der letzte Sitz gelost wurde. Damit ist jetzt Schluss.

Der Mandaterechner Schleswig-​​Holstein (bitte benut­zen Sie die­sen Link für ihre Favoriten, die ver­linkte Seite ent­hält nur den Rechner) errech­net die Anzahl der Sitze, die einer Partei nach dem Schleswig-​​Holsteinischen Wahlrecht zuste­hen. Geben Sie dazu die Anzahl der Stimmen ein, die Ihrer Meinung nach auf die Parteien ent­fal­len wer­den. Wenn Sie anstelle der Stimmenzahl die Prozentangaben aus einer Umfrage oder aus Ihrer eige­nen Schätzung neh­men wol­len, geben Sie bitte keine Kommazahlen ein — klei­ner Trick: geben Sie dann anstatt 32,7 ein­fach 327 und anstatt 6,0 ein­fach 60 ein.

Autor des Scripts ist Sven Rheindorf. Ich danke ihm für die Mühe.

Der Mandaterechner Schleswig-​​Holstein berück­sich­tigt die Vorgaben des Schleswig-​​Holsteinischen Wahlrechts:

  • Ausnahme von der 5-​​Prozent-​​Klausel für den SSW
  • Höchstzahlverfahren nach Sainte-​​Laguë,
  • Losverfahren nach § 3 Absatz 3 Satz 3 LWahlG.

Die tat­säch­li­che Sitzverteilung kann auf­grund von Über­hangs­man­da­ten (§ 3 Absatz 5 LWahlG) abweichen.

Bei der letz­ten Landtagswahl wur­den rund 1.600.000 gül­tige Zweitstimmen abge­ge­ben. Um 5 Prozent zu errei­chen, musste eine Partei 80.000 Stimmen erhal­ten. 15 Prozent ent­spre­chen mit­hin 240.000 Stimmen und 30 Prozent 480.000 Stimmen. Für 35 Prozent braucht eine Partei 560.000 Stimmen.

Bei der Erstellung des Skriptes ist Sven Rheindorf auf eine Gesetzeslücke gesto­ßen, die zwar sehr unwahr­schein­lich, aber immer­hin mög­lich ist. Das Landeswahlgesetz regelt in § 3 Absatz: „Über die Zuteilung des letz­ten Sitzes ent­schei­det bei glei­cher Höchstzahl das von der Landeswahlleiterin oder dem Landeswahlleiter zu zie­hende Los“. Die Formulierung unter­stellt, dass es nur beim letz­ten Sitz zum Losentscheid kom­men kann. Das kann auch anders kom­men. Beispiel: Reduziert man die Sitzzahl auf 45 Sitze und führt die Verteilung der Sitze für die in http://sven-rheindorf.de/_saintelague/stimmenverteilung dar­ge­stellte Stimmenverteilung (Zeile 2) durch, ergibt sich für den 44. und den 45. Sitz eine Patt-​​Situation zwi­schen CDU, Grünen und Piraten (Höchstzahl 2, orange mar­kiert). In unse­rem Script wird (auf­grund der Reihenfolge der Parteien im Parteien-​​Array) Sitz 44 in die­sem Fall an die CDU ver­ge­ben und Sitz 45 zwi­schen Grünen und Piraten ver­lost. Korrekterweise müsste unse­rer Meinung nach aber auch über Platz 44 das Los gezo­gen werden.

Sie kön­nen einen Losverfahren um den letz­ten Sitz (Platz 69) pro­vo­zie­ren, indem sie fol­gende Stimmverteilung vor­neh­men: 340000, 330000, 330000, 100000, 100000, 100000, 90000, 10000. Drücken Sie nun mehr­fach auf „Berechnen“, um zu sehen, wie der letzte Sitz vom Script „ver­lost” wird.

Über Swen Wacker

Swen Wacker, 49, im Herzen Kieler, wohnt in Lüneburg, arbeitet in Hamburg.
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2 Antworten auf Mandaterechner Schleswig-​​Holstein

  1. Martin Ballhorn sagt:

    Hallöchen!

    Sorry — ich würde ja so eine Möglichkeit gern zu schät­zen wis­sen, habe aber gleich beim ers­ten Versuch eine kleine „Fehlfunktion” pro­vo­ziert:
    Wenn man bei den „Sonstigen” Werte von > 5% ein­gibt, wer­den hier auch Mandate ausgewiesen.

    Also — lei­der nicht ganz pra­xis­taug­lich, das Teil!

    Ganz liebe Grüße von einem, der hofft, dass die inter­na­tio­na­len Postwege nicht seine (Brief-)Wahlteilnahme unmög­lich machen…
    *zwinker*

    Maddin =:-)

    • Swen Wacker sagt:

      Der „Fehler” war uns bekannt und in Kauf genom­men wor­den, weil es ja durch­aus hätte sein kön­nen, dass eine wei­tere Partei, die in den „Sonstige Parteien” ver­steckt ist, die Hürde über­springt. Nun gibt es ein Extra-​​Feld. Man kann selbst ent­schei­den, wie man es haben möchte.