Es war eine politische Versammlung

Von | 17. April 2012

Es dau­ert nicht mehr lange, dann gibt es nichts mehr, was Wikipedia nicht erklärt. Die Lücken kön­nen nicht mehr groß sein. Selbst einen Artikel über den (ers­ten) Spatenstich gibt es schon seit 2006.

Heute um 15.30 Uhr gibt es einen Ersten Spatenstich für den Schleusen-​​Neubau in Brunsbüttel. Den wer­den, gemein­sam, Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer, dem Präsidenten der Wasser– und Schifffahrtsdirektion Nord, Dr. Hans-​​Heinrich Witte und Landesverkehrsminister Jost de Jager vornehmen.  

Wikipedia meint, der „Spatenstich“ (oder „Erster Spatenstich“) sei ein fest­ste­hen­der Ausdruck für den Beginn der Arbeiten auf einer Baustelle.

Wahrscheinlich ist es schwie­rig, „in Echt“ mit den Arbeiten auf der Baustelle zu begin­nen. Denn vor den Schweiß auf der Baustelle haben die Götter des Rechts die Vergabe– und Vertragsordnung für Bauleistungen gesetzt. Aktuell gibt es man gerade erst zwei Vorabinformationen über Bauanträge (1, 2), deren Frist erst am 30.12.2012 abläuft. Das dau­ert also alles wohl noch.

So könnte es durch­aus sein, dass der tie­fere Sinn und Zweck der wenige Tage vor der Landtagswahl in Schleswig-​​Holstein statt­fin­den­den Veranstaltung was ganz ande­res ist. Wikipedia bie­tet dafür eine klare Definition:

Mitunter wird diese Veranstaltung aller­dings für poli­ti­sche Zwecke funk­tio­na­li­siert, indem bei­spiels­weise vor loka­len Wahlen Bauvorhaben „zum Schein“ begon­nen wer­den, obwohl abseh­bar ist, dass der eigent­li­che Baubeginn noch in wei­ter Ferne liegt

Wenn uns etwas absurd vor­kommt und Macht mit im Spiel ist, dann sind wir bei Franz Kafka. Und in der Tat hat er sich, weit vor Wikipedia, mit dem Thema beschäf­tigt: Es war der erste Spatenstich. Der Text fängt so an:

Es war der erste Spatenstich, es war der erste Spatenstich, es lag die Erde in Krumen, zer­fal­len vor mei­nem Fuß
Es läu­tete eine Glocke, es zit­terte eine Tür,
Es war eine poli­ti­sche Versammlung.

 

Von:

Swen Wacker, 49, im Herzen Kieler, wohnt in Lüneburg, arbeitet in Hamburg.

2 Gedanken zu “Es war eine politische Versammlung”:

    1. Swen Wacker

      Ist ja auch ‚ne große Baustelle :-)

      Wenn man Wahlkampf macht, dann soll man auch dazu ste­hen. Oder man hört damit auf, Werte in unse­rer Gesellschaft hochzuhalten.

      Reply

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