Abgeordnete, die den Einzug in den Landtag verpassten

Ich habe vor ein paar Tagen die Abgeordneten vor­ge­stellt, die nicht wie­der für den Landtag kan­di­die­ren. Nicht jeder bis­he­rige Abgeordnete hat sein Wahlziel, ein Mandat zu gewin­nen, erreicht. Von 20 wei­te­ren Abgeordneten müs­sen wir uns, wenigs­tens vor­über­ge­hend, ver­ab­schie­den. Ich möchte zwei beson­ders hervorheben. 

Da wäre Torsten Geerdts, Präsident des Schleswig-​​Holsteinischen Landtages. Torsten und ich ken­nen uns seit 1987. Ich war damals im Sozialministerium für die „Aufnahme und Unterbringung von Asylbewerbern“ zustän­dig. Er arbei­tete beim DRK Neumünster, das in sei­ner Heimatstadt in meh­re­ren Einrichtungen als Träger aktiv war. Wir, beide Jahrgang 1963, stan­den jeweils einem älte­ren berufs­er­fah­re­ne­ren Kollegen zur Seite und guck­ten neu­gie­rig, „wie das geht.“ Ich, zu der Zeit noch gewerk­schaft­lich aktiv und Sozialdemokrat, wech­selte 1988 in die Staatskanzlei; er, CDA-​​Kreisvorsitzender, ging voll­ends in die Politik und wurde 1992 in den Landtag gewählt. Ich habe, auch durch die Bekanntschaft mit ihm, gelernt, Menschen nicht allein schon wegen ihrer Parteizugehörigkeit in gute oder schlechte Töpfe zu sor­tie­ren. Politik, zumal Sozialpolitik, kennt nicht die klare Grenze, die ewige Streitlinie, die vor­ur­tei­lend gezo­gen wor­den, wenn ver­meint­lich wis­send von „den Politkern“ gespro­chen wird. Seine aus­glei­chende und den Konsens suchende Art, die vor­schnell mit Zaudern und Zögerlichkeit ver­wech­selt wer­den kann, ließ ihn sehr früh in ein Amt rücken, das nor­ma­ler­weise lebens­äl­te­ren Politikern vor­be­hal­ten ist. Mit 46 wurde er Landtagspräsident in Schleswig-​​Holstein Landtag. Seine Vision von der Zukunft Schleswig-​​Holsteins, seine Ideen zur sanf­ten Reform, viel­leicht eher: Begleitung der im Wandel befind­li­chen Parlamentsdemokratie wer­den –- jeden­falls im par­la­men­ta­ri­schen Raum – andere fort­set­zen müs­sen. Ich bin mir sicher, wir wer­den ihm im Parlament wiedersehen. 

Ein ganz ande­rer Typ ist Werner Kalinka, Nachnachfolger von Torsten Geerdts als CDA-​​Landesvorsitzender. Vor knapp 35 Jahren wurde er, gerade 23 Jahre alt gewor­den, Landtagsabgeordneter. 1983 schied er wie­der aus dem Landtag aus, gehört ihm aber seit 2000 wie­der an. Ich habe mit ihm gespro­chen, ein­mal kurz tele­fo­niert. Dennoch hört man so viel über ihn, das man meint, ihn zu „ken­nen“. Ihn, den unbe­que­men Quertreiber und Journalist, der über­zeugt ist, dass Uwe Barschel ermor­det wurde, über den, egal ob man Parteifreunde oder poli­ti­sche Gegner fragt, jeder erst ein­mal die Hände über den Kopf zusam­men­schlägt und des­sen Name bei jedem zwei­tem geflüs­ter­ten Gerücht über per­sön­li­cher Dinge Dritter spä­tes­tens nach dem vier­tem Satz als mög­li­che Quelle gehan­delt wird. Er scheint es sei­ner Fraktion und Partei nie leicht gemacht zu haben. Aussichtreiche Listenplatzierungen gehö­ren anschei­nend nicht zu sei­nen Stärken. Von außen und von der Ferne betrach­tet, lebt er aber die Idee des Abgeordneten, der allein sei­nem(!) Gewissen unter­wor­fen ist, der die Förderung sei­nes Wahlkreises und sei­ner poli­ti­schen Anliegen als ver­pflich­tende, nicht allzu schnell nach Kompromissen rufende, Aufgabe betrach­tet. Das hat ja auch was. 

NameVornameParteiWohnort/​WahlkreisIm Landtag seit
AbercronMichael, Dr. vonCDUElmshorn2009
Brand-​​HückstädtIngridFDPPlön2009
BrodersenCarsten-​​PeterFDPFahrdorf2009
ConradCorneliaFDPMolfsee2009
FunkeKirstinFDPEckernförde /​ Pinneberg-​​Nord2009
GeerdtsTorstenCDUNeumünster1992
HerdanMarionCDUMolfsee2009
HeroldSusanneCDUFlensburg2005
JansenAntjeLinkeLübeck2009
JezewskiHeinz-​​WernerLinkeFlensburg2009
KalinkaWernerCDUDobersdorf1977 – 83, 2000
KochGerritFDPLübeck2009
LoedigeKatharinaFDPSegeberg-​​West2009
MatthiessenDetlefGrüneOsterby1996 – 2000, 2002
MatthießenMarkusCDULauenburg2009
PaulsBirteSPD Schleswig2009
PotzahrMark-​​OliverCDU Reinbek2009
SchippelsUlrichLinkeKiel2009
ThoroeBjörnLinkeKiel2010
Waldinger-​​ThieringJetteSSWEckernförde2012
Abgeordnete der 17. Wahlperiode, die ohne Erfolg für die 18. Wahlperiode kan­di­diert haben

 

Über Swen Wacker

Swen Wacker, 49, im Herzen Kieler, wohnt in Lüneburg, arbeitet in Hamburg.
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6 Antworten auf Abgeordnete, die den Einzug in den Landtag verpassten

  1. Kai Dolgner sagt:

    …und nun machst Du noch aus der Birgit eine Birte ;-)

  2. Irgendwie schei­nen sich da Fehler ein­ge­schli­chen zu haben. Falsch sind defi­ni­tiv (nur beim kur­zen Über­flie­gen, kei­nen Anspruch auf Vollständigkeit)
     – Loedige, Katharina gehört zur FDP, nicht zur CDU.
     – Funke, Kirstin ist seit 2009 im Landtag gewesen.

  3. Florian Lienau sagt:

    Ist Kirstin Funke nicht schon seit 2009 MdL gewesen? ;)

  4. Oliver Fink sagt:

    Alle 3 ange­reg­ten Ände­run­gen habe ich für gut befun­den und mal kurz in die Tabelle eingepflegt.

  5. Oliver Fink sagt:

    Bei Kirstin Funke ist der alte Wahlkreis 2009 Eckernförde gewe­sen, 2012 ist sie in Pinneberg-​​Nord ange­tre­ten. Auch das habe ich nachgetragen.