Finanzpolitische Eckdaten — Zahlenglück für Haushalts-​​Nerds

Wer sich, sei es nun aus beruf­li­chen Gründen oder aus poli­ti­schen Interesse, mit dem Landeshaushalt beschäf­tigt, der ist stets danach ver­le­gen, lang­fris­tige Entwicklungen der „Kennzahlen“ – und deren gibt es viele – im Blick behal­ten zu wollen.

So lässt sich schnell über­prü­fen, ob die z.B. von ehe­mals im Mittelpunkt ste­hen­den Landespolitikern betonte „cha­rak­ter­lose Schuldenmacherei“ eine neu­mo­di­sche Erscheinung sozi­al­de­mo­kra­tisch geführ­ter Regierungen ist – oder eine lang­jäh­rige Tradition, die auch CDU-​​geführte Landesregierungen mit vol­ler Hingabe heg­ten und pflegten.

Zumeist zeigt sich dann schnell, dass die größ­ten Kritiker der Elche frü­her sel­ber wel­che waren.

Spätestens seit den 1980er Jahren pflegte die SPD-​​Fraktion eine Liste finanz­po­li­ti­scher Kennzahlen, die es seit 2006, auf Wunsch der heu­ti­gen Finanzministerin Monika Heinold, auch als Umdruck für „jeder­mann“ gibt.

Die Liste umfasst diese Zahlenreihen:

Für den Zeitraum ab 1970:

  • Nettoeinnahmen und Entwicklung der ein­zel­nen Einnahmearten (Steuern, Länderfinanzausgleich, Bundesergänzungszuweisungen, Verwaltungseinnahmen u.a.)
  • Gesamtausgaben, Nettoausgaben, Personalausgaben, Personalausgabenquote
  • Gesamtinvestitionen, Investitionsquote, eigen­fi­nan­zierte Investitionen
  • Nettokreditaufnahme und Kreditfinanzierungsquote
  • Fundierte Schulden und Kreditaufnahmegrenze gem. Artikel 53 der Landesverfassung
  • Zinsausgaben, Zins-​​Ausgabenquote, Zins-​​Steuerquote

Für den Zeitraum ab 1995:

  • Finanzkraft des Landes
  • Einnahmereste, Ausgabereste und Restkreditermächtigung
  • Globale Minderausgaben
  • Entwicklung der Investitionen
  • Bestand der Rücklagen
  • Verbraucherpreisindex (Inflationsrate)
  • Zuweisungen des Landes an die Kommunen (KFA und Zuweisungen außer­halb des KFA /​ Gesamtsumme und pro­zen­tua­ler Zuwachs)
  • Stellen, Personalkosten und Personalkostenbudgets der ein­zel­nen Ministerien. Stellen und Personalkosten dif­fe­ren­ziert für die Bereiche Polizei, Schule und Hochschule, Justiz, Steuerverwaltung, Oberste Landesbehörden, sons­tige Verwaltung und Pensionen.
  • Durch Kofinanzierung gebun­dene Mittel von EU und Bund

Hier der Link auf die aktu­elle Fassung, die letzte Woche ver­schickt wurde.

Sollte sich Landesregierung und Landtag dazu auf­raf­fen, open data zu prak­ti­zie­ren, reicht es nicht mehr, sol­che Kennzahlen als PDF-​​Dokumente zur Verfügung zu stel­len. Es würde vie­len Menschen viel Arbeit erspa­ren, wenn die Regierung sol­che Datenreihen zukünf­tig (auch) als Datentabellen (xls-​​Dateien) zur Verfügung stellte.

 

Über Swen Wacker

Swen Wacker, 49, im Herzen Kieler, wohnt in Lüneburg, arbeitet in Hamburg.
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2 Antworten auf Finanzpolitische Eckdaten — Zahlenglück für Haushalts-​​Nerds

  1. Thilo P sagt:

    Für OpenData sollte man wenn auch frei ver­füg­bare Standards wie OpenDocument ver­wen­den und nicht pro­prie­täre, nicht-​​dokumentierte Standards wie XLS, die stän­di­gen Ände­run­gen unter­wor­fen sind, abhän­gig von der Softwareversion.

    Dazu z.B. diese Folien vom zustän­di­gen ULD: https://www.datenschutzzentrum.de/sommerakademie/2010/sak10-thomsen-open-data-open-government.pdf