Schule neu denken

Von | 27. November 2012

„Stell dir vor es ist Schule und alle gehen gerne hin!?“ — mit die­sem und ähn­li­chen Sätzen beschreibt Margret Rasfeld, Schulleiterin der Evangelischen Schule Berlin, ihre Schule. Sie war am ver­gan­ge­nen Donnerstag, zusam­men mit zwei Schülerinnen ihrer Schule, zu einem wei­te­ren bil­dungs­po­li­ti­schen Gespräch der „Plietsch“-Reihe unter Federführung der Grünen im Landeshaus ein­ge­la­den und über­zeugte mit ihren Über­le­gun­gen zur Zukunft von Schulen.

Die Evangelische Schule Berlin ist eine Modellschule, die auf Potentialentfaltung setzt. Diese hält Margret Rasfeld für wesent­lich wich­ti­ger als den rei­nen Wissenserwerb, denn im Hinblick auf die Veränderungen, die die letz­ten Jahrzehnte geprägt haben, rei­chen die Voraussetzungen mit denen junge Menschen die Schule ver­las­sen nicht mehr aus, um eine inno­va­tive Zukunft aktiv mit­ge­stal­ten zu kön­nen. Ihrer Meinung nach wur­den zu lange „flei­ßige Pflichterfüller“ an deut­schen Schulen her­an­ge­zo­gen und sie hält diese Entwicklung für inno­va­ti­ons­feind­lich. Als Grundbedingungen für Innovationen sieht sie Autonomie, Selbstdenken, Urteilskraft, Persönlichkeitsstärke, Mut und maxi­male Interdisziplinarität, die an kon­ven­tio­nel­len deut­schen Schulen schlicht­weg feh­len. Diese Eigenschaften kön­nen jedoch nur in Lernarrangements ent­wi­ckelt und geför­dert wer­den, die auf selbst­be­stimm­tes und selbst­stän­di­ges Handeln set­zen und die dem Kinde ange­bo­rene Lust am Entdecken und Gestalten unter­stüt­zen und sie ihm nicht aus­trei­ben. Wie sie das an ihrer Schule in Berlin umsetzt kann man auf der Webseite der Schule erfah­ren sowie in ihrem Buch „EduAction – Wir machen Schule“.

Um Schulen zu ver­än­dern und aus ihnen inno­va­ti­ons­freund­li­che Orte der Potentialentfaltung zu machen, rei­chen jedoch Diskussionen über das Für und Wider eines zwei– oder drei­glied­ri­gen Schulsystems nicht aus, son­dern die Bildungslandschaft müsste grund­le­gend refor­miert wer­den, was wie­derum nicht mög­lich ist, wenn Fraktionen auf Prinzipien behar­ren oder sich in Detailfragen ver­lie­ren. Ein grund­sätz­li­ches Umdenken dar­über, was Schule errei­chen will, ist dazu nötig. Da muss grö­ßer gedacht wer­den, denn gute Schule steht und fällt mit guten Lehrern. In Frau Rasfelds Schule bie­ten Schülerinnen und Schüler Fortbildungen für Lehrkräfte an und diese sind außer­or­dent­lich gut besucht. Im Rahmen die­ser Fortbildungen erklä­ren die Schüler, wie ihre Schule funk­tio­niert und wie sie dort ler­nen und rei­ßen ihre Besucher dadurch mit und neh­men ihnen ihre Bedenken und Ängste. Eine die­ser Bedenken bezieht sich auf die aus­rei­chende Vorbereitung auf zen­trale Abschlussarbeiten, die in vie­len Bundesländern üblich sind. Diese wer­den von den Schülern der Evangelischen Schule ebenso mit­ge­schrie­ben, wie auch die Vergleichsarbeiten VERA in Klasse 8 und die Schule schnei­det über­durch­schnitt­lich gut dabei ab.

Mit dem Blick in die beruf­li­che Zukunft der heu­ti­gen Lernenden beschäf­tigt sich Frau Rasfeld ebenso wie mit den Bedürfnissen, die die künf­ti­gen Arbeitgeber in Bezug auf ihre künf­ti­gen Fach– und Führungskräfte haben. Neben den Basisfähigkeiten wer­den dort vor allem Kompetenzen wie Problemlösefähigkeit, Teamgeist und Organisationsfähigkeit gebraucht, alles Fertigkeiten, die man nicht durch stump­fes aus­wen­dig ler­nen von Wissen erwirbt.

Schulen ver­lie­ren sich auch in Schlewig-​​Holstein in Verwaltungsstrukturen und Umsetzung von immer neuen Erlassen, die eine inno­va­tive Unterrichtsentwicklung ver­hin­dern oder zumin­dest auf der Strecke blei­ben las­sen. Lehrerinnen und Lehrer sind mit vie­len büro­kra­ti­schen und immer neuen ver­wal­te­ri­schen Aufgaben belas­tet, die ihnen den Freiraum rau­ben, sich mit Prozessen zu befas­sen, die für das Umdenken von Schule not­wen­dig sind. Deshalb braucht es jetzt mehr als je zuvor ein Umdenken der bil­dungs­po­li­ti­schen Entscheidungsträger, damit Schule neu erfun­den wer­den kann und nicht nur hier und da kleine Flicken auf­ge­setzt wer­den, die nach der nächs­ten Wahl in einer neuen Farbe ange­malt werden.

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