10 Fächer, die an unseren Schulen fehlen

Von | 10. April 2015

By: Raquel Abe - CC BY 2.0

Unsere Kinder lernen in der Schule nicht für das Leben sondern für die Schule. Das ist schon lange klar – deswegen gibt es immer wieder Forderungen nach neuen Schulfächern. Hier eine kleine Übersicht.

  1. Informatik: Informatik gibt es zwar schon an unseren Schulen. Aber natürlich viel zu wenig und viel zu altmodisch – dabei leben wir doch in einer digitalisierten Welt! Deswegen wünscht sich „die IT-Branche“ ein Pflichtfach Informatik. Nico Lumma vom D64 e.V. wird da noch konkreter: Er fordert eine Programmiersprache als zweite Fremdsprache.
  2. Ernährung: Die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat 2007 ein Schulfach „Ernährung“ vorgeschlagen. Sicher auch sinnvoll. Das brauchen wir.
  3. Wirtschaft: Die Kinder brauchen ein Schulfach Wirtschaft, so wie es in Baden-Württemberg jetzt kommen soll. Und zwar bitte nicht mit Politik zusammen – wie bei WiPo in Schleswig-Holstein. Sonst könnten die Kids am Ende noch die Frage stellen, ob das alles so sein muss, wie sie es in Wirtschaft lernen. Das fordert zum Beispiel auch der Fondsverband BVI – für die Kundschaft von morgen.
  4. Kunstgeschichte: Kunsthistorikern ist aufgefallen, dass der Kunstunterricht in Deutschland viel zu praktisch ist. Da lernt man kreativ zu sein – aber nichts über unsere Kultur. Da Kunst ohnehin schon wenig Platz im Schulalltag hat, schlagen wir vor, daraus auch gleich ein Fach zu machen.
  5. Denkmalschutz: Der Kunstwissenschaftler Professor Dethard von Winterfeld fordert dagegen ein Schulfach Denkmalschutz. Und wenn man dann noch neben „Denkmalschutz“ und „Kunstgeschichte“ den normalen Kunstunterricht erhält, können die Kinder Kunst schaffen, erkennen, schätzen und schützen!
  6. Islam: Der Nordbayerischen Moscheen-Dachverband fordert einen eigenen Islam-Unterricht. Wäre ja auch doof, wenn die Religionen zusammen Toleranz lernen würden.
  7. Demokratie: Die SPD Schleswig-Holstein hat auf ihrem Parteitag kürzlich einen Antrag aus Norderstedt zu einem Pflichtfach Demokratie diskutiert. Keine Frage: Demokratie muss man lernen und die meisten Menschen wissen viel zu wenig. Aber sollte man nicht lieber gleich die Schulen demokratisieren?
  8. Gesundheit: „Ohne Gesundheit ist alles nichts,“ sagt der Volksmund. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie fordert deswegen ein eigenes Fach für Gesundheitsbewusstsein.
  9. Klimaschutz: Nein, nicht Greenpeace oder andere übliche Verdächtige fordern ein Schulfach Klimaschutz – es ist der NRW-Landesverband des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen! Warum? Damit die zukünftigen Mieter die Wohnungen richtig lüften. Klimaschutzbildung statt Schimmelpilzbildung quasi.
  10. Finanzkompetenz: Total überschuldet ins Abi – so ist es doch heutzutage. Der Inkassoverband will sich überflüssig machen und fordert deswegen das Schulfach “Finanzkompetenz”.

Weil das alles sehr sinnvolle Vorschläge sind, die Zeit der Kinder aber beschränkt, schlage ich vor, dass Deutsch, Mathe und Sport abgeschafft werden. Das sind ohnehin Querschnittsthemen, die man auch in den neuen Fächern mitmachen kann. Dann hätten wir auch noch Zeit für ein Fach „Lobbyismus“, das die kleinen, zukünftigen Verbandfunktionäre auf ihre Aufgaben vorbereitet. Lektion 1: Ein Schulfach fordern bringt immer Öffentlichkeit, denn beim Thema Schule können alle mitreden. Und Bildung fordern ist immer positiv besetzt.

Vielleicht machen wir es aber auch wie die Finnen: Die schaffen gerade die Schulfächer ab.

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8 Gedanken zu “10 Fächer, die an unseren Schulen fehlen”:

  1. Alex

    …da fehlt m.E. noch „Datenschutz“ als Schulfach. Hat es bisher tatsächlich noch niemand vorgeschlagen? ;-))

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  2. Swen Wacker

    So ganz richtig ist das mit dem Schulfächer abschaffen wohl nicht: https://www.ndr.de/wellenord/sendungen/ostseemagazin/Ostseemagazin-Schafft-Finnland-die-Schulfaecher-ab,themen145.html

    Zum Thema: Viele Lobbyverbände glauben anscheinend, das nicht Inhalte oder Kompetenzen sondern „Fächer“ das Ziel seien. Ich bin übrigens Lobbyist für das Pflichtfach Kochen. Nirgendwo anders lernt man Vorbereitung, Sorgfalt, Termintreue, Multitasking und Kundenorientierung besser als beim Kochen.

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    1. Steffen

      Oh, denen geht es doch um Lüftungskompetenz und Anlagenkompetenz. Aber soll man Fensterkippen etwa im Erdkundeunterricht lernen? :-D

      Kann man Kochen nicht im Physikunterricht?

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  3. Ute Schulte Ostermann

    Es handelt sich hier doch nicht um 10 Fächer, sondern eher um 10 wichtige Themen, die in der Schule bearbeitet werden sollten. Nicht ohne Grund schaffen die Finnen gerade die Fächer ab. Finnland hat schon jetzt viel weniger Unterrichtsfächer als Deutschland. Gleichwohl lernen die Schüler dort sehr viel mehr. Die angeführten 10 Fächer (Themen) können schon in bestehende Fächer integriert werden.

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  4. Stephan Fleischhauer

    Jura nicht dabei? Spätestens mit der ersten eigenen Wohnung werden juristische Kenntnisse relevant.

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  5. A.

    die spinnen doch. statt mal was zu verbessern wollen sie immer mehr indoktrinieren. http://www.oqgc.com/veroeffentlichungen/wir_menschen.html#inhaltsverzeichnis34 ist nicht schlecht, finde ich. da wird erstmal der lobby-, religiöse und staatliche einfluss aus den schulen verbannt und der unterricht dann nach cui bono oder wem sollte es bono aufgebaut. nutzen für die schüler und nicht für sonstwen. wie findet ihr das? ich könnte mir das gut vorstellen, bin aber pessimistisch, dass es umgesetzt wird. zu groß sind die interessen von anderen. so wie das im moment läuft und immer noch schlimmer wird werden wir deutschland eher verlassen, bevor unsere kleine in die schule muss.

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    1. Steffen

      Das klingt für mich nach Quatsch und Verschwörungsgeschwurbel – aber vermutlich gehöre ich damit jetzt auch zum „System“.

      Kein Mensch ist allein auf der Welt. Und Kinder müssen auch das lernen. Und die pessimistische Sicht auf Schulen teile ich nicht. Klar kann auch ich mir Dinge anders vorstellen. Da gibt es Beispiel von Ländern, in denen das auch sehr gut klappt. Aber letztlich ist es auch nur die Schule. Der Einfluss von Eltern, Freunden, Bekannten, Verwandten, Nachbarn und Leuten auf der Straße, den gibt es doch auch noch.

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  6. Zero

    Grundsätzlich fehlt eine aternative zum Religionsunterreich. Ich als nicht religiöser Mensch konnte damals (und auch heute nicht) Religionsunterreich abwählen und z.B. Rhetorische Schulung in Sachen Ethik, Säkularisierung/Laizismus und kritische Auseinandersetzung mit Themen wie Gehirnwäsche durch Sekten/Religionen Anstellen von Religionsunterreich wählen.

    … da muss dringendst was passieren.

    Kleiner Hinweis: Nicht jeder Atheist ist automatisch Autist. ABER so gute wie fast jeder Autist ist zwingend Atheist. (Ich z.b. gehöre definitiv zum letzteren genannten Gesellschaftsspektrum und kann von einem Spießrutenlauf im Bildungssystem berichten wenn man Religion als nichts anders ansehen kann als das was es ist = irreale Fiktion).

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