Lehrer: Hohes, hartes Friesengewächs - der Frühpensionär ist Geschichte

Von | 8. Dezember 2011

Lehrer sind nicht nur faul und über­be­zahlt, sie gehen auch noch andau­ernd wegen Krankheiten, die es nicht gibt (Burn-Out), in Frührente. So lau­tet ein weit ver­brei­te­tes Vorurteil.

Das Statistische Bundesamt hat jetzt das Vorurteil mit der Frühpensionierung nach­hal­tig aus­ge­räumt:

Der Anteil der Lehrerinnen und Lehrer, die auf­grund von Dienstunfähigkeit in Pension gin­gen, sank im Jahr 2010 leicht auf rund 21 % (2009: 22 %). Dies ent­spricht dem tiefs­ten Stand seit Beginn der sta­tis­ti­schen Erfassung im Jahr 1993. Damit lag der Anteil der Dienstunfähigkeit bei Lehrkräften auf dem Niveau der übri­gen Beamten bei Bund, Ländern und Gemeinden für die eben­falls die Regelaltersgrenze 65 Jahre gilt. 

 

Schauen wir uns die Zahlen genau­er an (Versorgungsempfänger des öffent­li­chen Dienstes, Seite 92), dann wird es sogar noch bes­ser: Im Jahr 2010 gin­gen Lehrer im Schnitt mit 62,7 Jahren in den Ruhestand. Damit sind sie – im posi­ti­ven Sinne – sogar Spitzenreiter.

1993 gin­gen in Schleswig-Holstein 349 Lehrerinnen und Lehrer in den Ruhestand, 211 von ihnen wegen Dienstunfähigkeit (Seite 91 des Berichtes) – das ent­spricht 60,5 Prozent. Dieser Anteil sank bis 2006 auf 20,2 Prozent und hat sich seit­dem bei 24,2 Prozent ein­ge­pen­delt.

Über die Gründe für die­sen Wandel sagt die Statistik nichts. Die Interessenvertretung der Lehrkräfte in Schleswig-Holstein (IVL) sah ges­tern (7. Dezember) in einer Presseerklärung den Grund für die­sen Wandel in der Haltung der Lehrkräfte ihrer Arbeit gegen­über begrün­det: „Ohne das Berufsethos der Lehrkräfte wäre der Bildungsbetrieb in die­sem Land schon lan­ge an die Wand gefah­ren“. Das leuch­tet mir nicht wirk­lich ein: Was soll zu dem Wandel im Berufsethos seit 1993 geführt haben? Waren damals 60 Prozent der Lehrer ohne Ethos?

Egal, es ändert nichts dar­an: Die Heerscharen von früh­pen­sio­nier­ten Lehrern sind ein ver­gan­ge­nes Bild.

Von:

Swen Wacker, 49, im Herzen Kieler, wohnt in Lüneburg, arbeitet in Hamburg.

4 Gedanken zu “Lehrer: Hohes, hartes Friesengewächs - der Frühpensionär ist Geschichte”:

    1. Swen Wacker

      Wäre ich böse, täte ich behaup­ten, dass der Rückgang der Frühpensionierungen auf die mitt­ler­wei­le höhe­ren Abschläge bei früh­zei­ti­ger Pensionierung zurück­geht.

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      1. Karim

        Natürlich, wie immer bewegt das Geld die Menschen! Wenn klar ist, dass die Bezüge sin­ken wer­den, dann den­ken die Menschen nach: Letzte Chance!

        Man schaue sich mal die Daten eini­ge Jahre vor der Änderung der Bezüge an…

        Dass sich das Verhalten einer gan­zen sozia­len Gruppen aus Einsicht — ich mei­ne aus­drück­lich nicht nur Lehrer, son­dern belie­bi­ge Gruppen — ändert, glaubt doch wohl nie­mand. Jedenfalls nicht, wenn die Gruppe nicht einen essen­ti­el­len Vorteil für sich erkennt.

        Schon gar nicht durch poli­ti­schen Einfluss…

        Reply
        1. Karim

          Zumal die sozia­le Gruppe ver­mut­lich for­mu­lie­ren wür­de, dass ihre Arbeitsbedingungen ent­schie­den schlech­ter gewor­den sind, sie zum Beispiel mehr arbei­ten müs­se.

          Es lebe ‚n Stündchen Erholungsschlaf nach der 6. Stunde ;-)

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