Mandaterechner Schleswig-Holstein

Von | 31. März 2012

Immer, wenn eine neue Umfrage her­aus­kommt, dann fra­gen wir uns: Und, wie sieht die Sitzverteilung aus? Und wenn, so wie bei der letz­ten Umfrage des NDR, gleich meh­re­re Parteien ober- und unter­halb der 5-Prozent-Hürde ent­lang­schram­men, dann wol­len wir gern die Antwort auf die Frage „Und was wäre wenn …“ wis­sen.

Online ver­füg­ba­re Mandaterechner haben den Nachteil, dass sie ent­we­der Schleswig-Holsteins Besonderheit — die Befreiung der Parteien der däni­schen Minderheit von der 5%-Klausel — nicht berück­sich­ti­gen, das Höchstzahlverfahren nach Sainte-Laguë nicht anbie­ten oder den Benutzer im Unklaren las­sen, wenn der letz­te Sitz gelost wur­de. Damit ist jetzt Schluss.

Der Mandaterechner Schleswig-Holstein (bit­te benut­zen Sie die­sen Link für ihre Favoriten, die ver­link­te Seite ent­hält nur den Rechner) errech­net die Anzahl der Sitze, die einer Partei nach dem Schleswig-Holsteinischen Wahlrecht zuste­hen. Geben Sie dazu die Anzahl der Stimmen ein, die Ihrer Meinung nach auf die Parteien ent­fal­len wer­den. Wenn Sie anstel­le der Stimmenzahl die Prozentangaben aus einer Umfrage oder aus Ihrer eige­nen Schätzung neh­men wol­len, geben Sie bit­te kei­ne Kommazahlen ein — klei­ner Trick: geben Sie dann anstatt 32,7 ein­fach 327 und anstatt 6,0 ein­fach 60 ein.

Autor des Scripts ist Sven Rheindorf. Ich dan­ke ihm für die Mühe.

Der Mandaterechner Schleswig-Holstein berück­sich­tigt die Vorgaben des Schleswig-Holsteinischen Wahlrechts:

  • Ausnahme von der 5-Prozent-Klausel für den SSW
  • Höchstzahlverfahren nach Sainte-Laguë,
  • Losverfahren nach § 3 Absatz 3 Satz 3 LWahlG.

Die tat­säch­li­che Sitzverteilung kann auf­grund von Überhangsmandaten (§ 3 Absatz 5 LWahlG) abwei­chen.

Bei der letz­ten Landtagswahl wur­den rund 1.600.000 gül­ti­ge Zweitstimmen abge­ge­ben. Um 5 Prozent zu errei­chen, muss­te eine Partei 80.000 Stimmen erhal­ten. 15 Prozent ent­spre­chen mit­hin 240.000 Stimmen und 30 Prozent 480.000 Stimmen. Für 35 Prozent braucht eine Partei 560.000 Stimmen.

Bei der Erstellung des Skriptes ist Sven Rheindorf auf eine Gesetzeslücke gesto­ßen, die zwar sehr unwahr­schein­lich, aber immer­hin mög­lich ist. Das Landeswahlgesetz regelt in § 3 Absatz: „Über die Zuteilung des letz­ten Sitzes ent­schei­det bei glei­cher Höchstzahl das von der Landeswahlleiterin oder dem Landeswahlleiter zu zie­hen­de Los“. Die Formulierung unter­stellt, dass es nur beim letz­ten Sitz zum Losentscheid kom­men kann. Das kann auch anders kom­men. Beispiel: Reduziert man die Sitzzahl auf 45 Sitze und führt die Verteilung der Sitze für die in http://sven-rheindorf.de/_saintelague/stimmenverteilung dar­ge­stell­te Stimmenverteilung (Zeile 2) durch, ergibt sich für den 44. und den 45. Sitz eine Patt-Situation zwi­schen CDU, Grünen und Piraten (Höchstzahl 2, oran­ge mar­kiert). In unse­rem Script wird (auf­grund der Reihenfolge der Parteien im Parteien-Array) Sitz 44 in die­sem Fall an die CDU ver­ge­ben und Sitz 45 zwi­schen Grünen und Piraten ver­lost. Korrekterweise müss­te unse­rer Meinung nach aber auch über Platz 44 das Los gezo­gen wer­den.

Sie kön­nen einen Losverfahren um den letz­ten Sitz (Platz 69) pro­vo­zie­ren, indem sie fol­gen­de Stimmverteilung vor­neh­men: 340000, 330000, 330000, 100000, 100000, 100000, 90000, 10000. Drücken Sie nun mehr­fach auf „Berechnen“, um zu sehen, wie der letz­te Sitz vom Script „ver­lost” wird.

Von:

Swen Wacker, 49, im Herzen Kieler, wohnt in Lüneburg, arbeitet in Hamburg.

2 Gedanken zu “Mandaterechner Schleswig-Holstein”:

  1. Martin Ballhorn

    Hallöchen!

    Sorry — ich wür­de ja so eine Möglichkeit gern zu schät­zen wis­sen, habe aber gleich beim ers­ten Versuch eine klei­ne „Fehlfunktion” pro­vo­ziert:
    Wenn man bei den „Sonstigen” Werte von > 5% ein­gibt, wer­den hier auch Mandate aus­ge­wie­sen.

    Also — lei­der nicht ganz pra­xis­taug­lich, das Teil!

    Ganz lie­be Grüße von einem, der hofft, dass die inter­na­tio­na­len Postwege nicht sei­ne (Brief-)Wahlteilnahme unmög­lich machen…
    *zwin­ker*

    Maddin =:-)

    Reply
    1. Swen Wacker

      Der „Fehler” war uns bekannt und in Kauf genom­men wor­den, weil es ja durch­aus hät­te sein kön­nen, dass eine wei­te­re Partei, die in den „Sonstige Parteien” ver­steckt ist, die Hürde über­springt. Nun gibt es ein Extra-Feld. Man kann selbst ent­schei­den, wie man es haben möch­te.

      Reply

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