Facebook versteckt eure Lieblingsseiten - auch uns!

Von | 1. August 2012

Seit dem wenig erfolg­rei­chen Börsengang Facebooks vor weni­gen Monaten steht für Mark Zuckerberg und sei­nen Konzern eines fest: Es muss Geld ver­dient wer­den. Das sozia­le Netzwerk, wel­ches bald die magi­sche Eine-Milliarde-Nutzer Marke durch­bre­chen wird, ver­sucht seit gerau­mer Zeit, eben jene Nutzer zu Geld zu machen. Da das Netzwerk aber für den pri­va­ten Nutzer wei­ter­hin kos­ten­los blei­ben wird (um die­se nicht zu ver­schre­cken), muss es sich haupt­säch­lich durch kos­ten­pflich­ti­ge Werbung finan­zie­ren. Mittel zum Zweck ist ein Bewerbungssystem namens „Promoted Posts”. Für ehren­amt­li­che, nicht-kom­mer­zi­el­le und vie­le ande­re Fanseiten wird das in Zukunft zu Problemen füh­ren, denn wer kein Geld bezahlt, wird auf der Hauptseite sei­ner Fans bald nicht mehr ange­zeigt.

Facebook Logo - Quelle: Pressebereich Facebook

Facebook Logo — Quelle: Pressebereich Facebook

In die­sem Artikel erklärt euch das Landesblog was das im Genauen (für euch und uns) bedeu­tet, wer alles betrof­fen ist und wie man die Auswirkungen teil­wei­se ver­mei­den kann.

Was genau ändert sich jetzt — was sind Promoted Posts?

„Promoted Posts” ist das neue Werbesystem von Facebook, wel­ches ganz grob gesagt die Reichweite von Posts erhöht.
Normalerweise kennt jeder Facebook so, dass man sich ein­loggt und auf sei­ner Hauptseite (dem „Newsfeed” oder ein­fach den Neuigkeiten) alle Posts von Freunden und Fanseiten fin­det. Da dies zum Teil aber eine gewal­ti­ge Menge an Infos sein kann, redu­ziert ein Algorithmus namens EdgeRank weni­ger belieb­te und evtl. unin­ter­es­san­te Posts für die Nutzer aus. Ab sofort wer­den aber immer mehr Posts ver­schwin­den und euch gar nicht mehr ange­zeigt, außer ihr besucht gezielt die Seite, auf der sie gepos­tet wur­den.

Um die künst­lich beschränk­te Reichweite der eige­nen Posts wie­der zu erhö­hen, haben die Betreiber der Fanseiten in Zukunft die Möglichkeit ihre Einträge für Geld zu pro­mo­ten. Mit der gro­ben Faustformel „Fünf Euro pro 1000 Leser” kann man mit Promoted Posts dem Vergessen der eige­nen Seite für jeweils drei Tage ent­ge­gen­wir­ken. Zum einen wer­den die bewor­be­nen Posts von mehr Fans gele­sen, zum ande­ren wer­den die­se teil­wei­se auch den Freunden der Fans unge­fragt ange­zeigt.

Wer ist alles betrof­fen?

Jede Fanseite wird in Zukunft damit leben müs­sen, eine gerin­ge­re Reichweite und weni­ger Leser zu haben, sofern sie kein Geld bezahlt. Was für Marketingabteilungen von grö­ße­ren Unternehmen nur ärger­lich ist, bedeu­tet für non-kom­mer­zi­el­le und ehren­amt­li­che Seiten eine Katastrophe. Zu lei­den haben dar­un­ter also Künstler und Blogs, die auf ihre Arbeit auf­merk­sam machen wol­len; aber auch non-pro­fit Organisationen, Parteien und Politiker, sowie klei­ne­re Wirtschaftsbetriebe und Selbstständige.

Um das gan­ze zu ver­deut­li­chen, habe ich hier mal einen Screenshot zu der Promotionmöglichkeit unse­res letz­ten Artikels „Handyverbot an Schulen” von Melanie Richter:

Promoted Posts auf der Landesblog Fanpage. Quelle: Screenshot

Promoted Posts auf der Landesblog Fanpage. Quelle: Screenshot

Das Landesblog hat momen­tan bei Facebook 647 Freunde, nur 186 davon haben unse­ren Post zur Bekanntmachung des neu­en Artikels ange­zeigt bekom­men (also weni­ger als ein Drittel). Sollten wir jedoch 5 Euro bezah­len, könn­ten wir die Reichweite des Artikels sogar (über den Kreis unse­rer Fans hin­aus) auf bis zu 1040 Empfänger aus­wei­ten.

Wie kann ich das Ganze umge­hen?

Für Fanseitenbetreiber selbst wird es nahe­zu unmög­lich sein, dem neu­en System ohne Kosten zu ent­ge­hen. Private Nutzer selbst kön­nen jedoch dem unge­woll­ten Ausdünnen ihrer Timeline durch den EdgeRank Algorithmus teil­wei­se vor­beu­gen. Bestimmt ist es vie­len schon auf­ge­fal­len, dass Seiten und Freunde, die vor kur­zem (vir­tu­ell) besucht, ange­schaut, gelik­ed, geklickt, geteilt, kom­men­tiert oder ange­stupst wur­den, ver­mehrt auf der Timeline ange­zeigt wer­den. Wer meh­re­re Hundert Freunde bei Facebook hat, bekommt trotz­dem haupt­säch­lich Posts von denen ange­zeigt, mit denen er/​sie am meis­ten inter­agiert.
Bei Seiten funk­tio­niert das genau­so. Wenn ich eine Seite gera­de ges­tern gelik­ed habe (in mei­nem Fall zum Beispiel ges­tern die deut­sche Olympiamannschaft), wird mei­ne Timeline mit Posts die­ser Seite voll­ge­bombt. Dazu kom­men dann die Posts der Seiten, die ich häu­fig fre­quen­tie­re oder „aktiv kon­su­mie­re”, also Posts kom­men­tie­re, wei­ter­lei­te, tei­le oder auch nur ankli­cke.
Wer also Einfluss auf die Zusammenstellung sei­ner Timeline/​ Hauptseite haben möch­te, muss unge­woll­te Einträge aus­blen­den und gewoll­te gezielt suchen. Also zum Beispiel häu­fi­ger mal ganz (un)eigennützig die Landesblog-Page besu­chen und bei Artikeln „gefällt mir” drü­cken. ;)

Trotzdem muss sich jeder Nutzer mit dem Gedanken ver­traut machen, von Facebook kei­nen Anspruch auf Vollständigkeit und Freiheit erwar­ten zu dür­fen. Genauso wie Google ope­riert der Konzern mit wirt­chaft­li­chen Interessen und nicht aus Barmherzigkeit, ange­zeig­te Inhalte wer­den also oft bezahl­te Werbung sein. Auch wenn Facebook zu den Platzhirschen im Web gehört und für vie­le gar die Essenz des Netzes dar­stellt ist es doch ein „wal­led gar­den”, der euch vie­les vor­ent­hält. Wer also mal wie­der bei face­book „vor die Tür geht”, kann das Landesblog auch per email, RSS oder twit­ter abbo­nie­ren.

Anmerkung: In einer ers­ten Version die­ses Artikels hat­te ich den „News Feed” fälsch­li­cher­wei­se als „Timeline” bezeich­net.

Von:

Ende 20, Politikwissenschaftler, Archäologe, Redakteur, Fotograf und Social Media Manager. Wohnt in Kiel, lebt im Internet, kommt aus Flensburg. Gehört keiner Partei an. Mag neben Politik und Medien alles was blinkt oder salzig schmeckt.

Ein Gedanke zu “Facebook versteckt eure Lieblingsseiten - auch uns!”:

  1. madlin

    Wer hat denn gedacht, dass Facebook nur die Interessen sei­ner Besucher im Sinn hat. Facebook ist ein bör­sen­no­tier­ter, welt­weit agie­ren­der Konzern, der sei­ne Aktionäre zufrie­den stel­len muss. Dies ist doch erst der Anfang. Die gro­ßen Monopolisten (Facebook, Apple, Amazon, Google, Microsoft) unse­rer Zeit wer­den in den nächs­ten Jahren noch häu­fig ihre Macht aus­spie­len und nie­mand wird wirk­lich etwas dage­gen tun kön­nen. Vielleicht soll­te die gro­ße Zahl der Internetnutzer abun­du ein­fach mal Rechner, Smartphones und Tablets regel­mä­ßig aus­schal­ten.

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