Datenbrille als Waffe - Weichert schießt gegen Google

Von | 25. April 2014

Dr. Thilo Weichert, Landesbeauftragter für den Datenschutz Schleswig-Holstein | Foto: ULD

Bisher ging es zumeist gegen Facebook, doch in der Kontraste-Sendung vom 24. April hat sich Dr. Thilo Weichert, Chef des Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holsteins (ULD), die „Glassholes” vor­ge­nom­men — Die Träger von Googles neu­er Datenbrille. Als „Idioten” äch­ten sol­le man sie. Das Gerät sei „eine Waffe zur Verletzung von Persönlichkeitsrechten.”

Bis vor Kurzem war Google Glass nur eini­gen Ausgewählten vor­be­hal­ten. Über ein win­zi­ges Display wer­den den Trägern damit Informationen direkt vor dem Auge ein­ge­blen­det. Umstrittener ist jedoch die Kamera, die bei Bedarf filmt oder foto­gra­fiert, was der Träger gera­de sieht. Alle Daten wer­den dann zur Analyse an Google über­tra­gen. Seit ges­tern nun steht die Datenbrille für schlap­pe 1500,- US$ zum Verkauf — bis­her nur in den USA. Anlass für den Rundfunk Berlin-Brandenburg sich des Themas anzu­neh­men.

Eine Studie hat im letz­ten Jahr her­aus­ge­fun­den, dass vie­le Deutsche dem neu­en Gerät skep­tisch gegen­über ste­hen. Schon klar: Google Glass macht Überwachung sicht­bar. Doch wie so oft, hängt Fluch oder Segen einer Technologie davon ab, wie sie ein­ge­setzt wird. Schon heu­te ist es mög­lich, unbe­merkt mit dem Smartphone Fotos zu machen und die zu Google hoch­zu­la­den. Das mag im Rahmen von Mobbing in der Schule ein Problem sein. Gesellschaftlich scheint die­se Form des Missbrauches eher die Ausnahme zu sein. Und die Kamera von Google Glass muss ein Mensch aktiv ein­schal­ten.

Mit der Hightech-Brille zum Straftäter? — Google Glass in der Kritik

Herr Weichert schlägt vor, die Träger von Google Glass prä­ven­tiv gesell­schaft­lich als „Idioten” zu äch­ten. Das hat damals in der Anfangszeit des Mobiltelefons auch schon nicht so rich­tig gut geklappt: Ein paar Jahre hat man sich noch über Wichtigtuer, Lauttelefonierer („VERKAUFEN! VERKAUFEN!”) und SMS-Kasper lus­tig gemacht. Dann aber mehr­ten sich die Fälle, in denen man ein eige­nes Telefon ver­miss­te und heu­te ist das voll­kom­men üblich min­des­tens ein Handy zu besit­zen. Allerdings haben die Mobiltelefonbesitzer auch an ihren Manieren gear­bei­tet.

Völlig unklar ist, ob so eine Datenbrille über­haupt all­tags­taug­lich ist. Denn das Handy ist wohl auch des­we­gen so beliebt, weil man es ein­fach in der Tasche ver­schwin­den las­sen kann. Grundsätzlich ist eine Datenbrille jedoch der Traum jedes Nerds. Ob es gera­de die von Google sein muss, sei dahin­ge­stellt. Vielleicht über­sprin­gen wir in Schleswig-Holstein ein­fach die Brille und war­ten auf die Kontaktlinse.

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5 Gedanken zu “Datenbrille als Waffe - Weichert schießt gegen Google”:

  1. Jens Junge

    Autos sind mög­li­che Fluchtfahrzeuge bei Banküberfällen! Verbieten! Brote mit Messern schmie­ren? Viel zu gefähr­lich, das sind Mordwaffen! Verbieten! etc.

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  2. Nils Fuhrmann

    Ich habe gro­ßen Respekt vor Herrn Weichert und sei­ner Arbeit, aber inzwi­schen wirkt er lei­der nicht mehr up to date auf mich. Natürlich muss man Datenschutz und Persönlichkeitsrechte ernst neh­men, aber statt neue Technologien zu äch­ten soll­te man eher krea­ti­ve Ideen ent­wi­ckeln, wie man sinn­voll damit umgeht. Des Weiteren fra­ge ich mich, ob Herr Weichert wirk­lich noch die Interessen der User ver­tre­ten kann oder ob sei­ne Sichtweise nicht bald zu ver­al­tet ist. Ich emp­fin­de es jeden­falls so, dass ein immer grö­ße­rer Teil der User sehr groß­zü­gig mit den eige­nen Persönlichkeitsrechten umgeht.

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  3. Pingback: Living the future » Blog Archive » Wenn Datenschützer dummes tun

  4. Oliver

    Ich ver­ste­he die Angst nicht. Ich habe Google Glass und ja, ich kann ein Foto machen. Man sieht als Gegenüber wie das Display auf­leuch­tet, das ist alles ande­re als geheim.

    Ich kann viel ein­fa­cher Gespräche oder Fotos mit mei­nem Smartphone auf­neh­men.

    Primär ist Glass doch nur eine Art zwei­tes Display um Informationen anzu­zei­gen, wel­che ich sonst auf mei­nem Smartphone sehe. Magic ist da eher wenig vor­han­den. Die Geräte sind mit­ein­an­der gekop­pelt, Glass kann ohne Smartphone gar nichts.

    Den Aufruf alle Glass Nutzer als Idioten zu äch­ten ist wohl wenig ziel­füh­rend und viel mehr respekt­los. Schade, da hät­te ich mehr erwar­tet.

    Beste Grüße, Oliver

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  5. Klaas Hartmann

    Bei all den Datenschutz-Problemen, die wir zur­zeit haben, gilt es, Prioritäten zu set­zen. Und die sind wohl eher bei der Vorratsdatenspeicherung zu suchen als bei Google Glasses.

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