EEG-Reform verhindert Landstrom

Von | 30. August 2014
ColorLine Fähre im Hafen Kiel

ColorLine Fähre im Hafen Kiel | Foto: Sharkomat - CC BY 2.0

Seit dem 1. August gilt das überarbeitete Erneuerbare-Energien Gesetz (EEG). Die Große Koalition in Berlin will damit die Wind- und Solarenergie mehr in den regulären Strommarkt einbinden, doch dieses Gesetz wirkt sich auch auf die Versorgung von Schiffen mit Landstrom aus.

Der Fähr- und Kreuzschifffahrtstourismus hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen und soll auch weiter steigen. Allein in Kiel werden bis zu 150 Anläufe jährlich erwartet. Während der Liegezeiten der Schiffe im Hafen werden Strom und Wärme für den eigenen Verbrauch mit Hilfe von Dieselmotoren an Bord der Schiffe erzeugt. Dadurch werden Schadstoffe wie Schwefeloxide, Stickoxide, Feinstäube sowie das Klimagas Kohlendioxid freigesetzt, die die Umwelt belasten.

Seehäfen und Hafenwirtschaft beschäftigen sich daher seit Jahren mit Möglichkeiten, die schiffseitigen Emissionen während der Liegezeiten der Schiffe in den Häfen zu reduzieren. Eine Möglichkeit hierzu ist die Landstromversorgung.

Nach dem Richtlinienvorschlag der EU-Kommission über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe sollen Mitgliedstaaten sicherstellen, dass in Häfen eine landseitige Stromversorgung für Schiffe vorgesehen wird, sofern dies günstiger ist und sich positiv auf die Umwelt auswirkt.

Angesichts der Strompreise ist die Einführung von Landstrom in vielen Fällen jedoch unwirtschaftlich. So sind erhebliche Investitionen in die Infrastruktur der Häfen (landseitige Kabelanbindung, Umschaltanlagen, Anschluss Kai/Schiff) erforderlich. Diese Kosten stehen in Konkurrenz zu den Stromkosten der schiffsseitigen Eigenversorgung.

Zwar ist die Stromsteuer für Landstrom deutlich ermäßigt worden. Ein erhebliches Hemmnis ist jedoch die seit Jahren steigende Umlage des Erneuerbaren-Energie Gesetzes (EEG-Umlage), die zur Zeit 6,24 Cent/kWh beträgt. Da bisher kein Landstrom von Seeschiffen bezogen wird und der Verbrauch von Dieselöl für die Stromversorgung an Bord von Seeschiffen steuerbefreit ist, würden dem Fiskus durch eine reduzierte EEG-Umlage keine Einnahmeverluste entstehen. Zusätzlich würde durch den Bezug von Landstrom die Nachfrage nach erneuerbaren Energien aus Wind-, Wasser- und Sonnenkraft gesteigert, da kein Atom- oder Kohlestrom seitens der Reeder akzeptiert wird.

Für ihre beiden Fähren der ColorLine, die zwischen Kiel und Oslo verkehren, beträgt der Stromverbrauch während der Liegezeiten im Kieler Hafen jährlich rund 5,0 GWh. Für die Nutzung von Landstrom würde damit eine EEG-Umlage von jährlich 312.000 € zu zahlen sein.

Das macht Landstrom in Deutschland unattraktiv. Die klima- und umweltpolitisch gewünschte Reduzierung schiffsseitiger Emissionen in den Häfen wird dadurch erheblich erschwert. In den skandinavischen Häfen werden die Fähren dagegen seit Jahren schon von Land aus mit Energie versorgt.

Natürlich ist es wichtig und richtig, die erneuerbaren Energien zu fördern, um die angestrebten Klimaziele ohne den Einsatz von Atomstrom zu erreichen. Wenn dies jedoch dazu führt, dass umweltfreundliche Alternativen wirtschaftlich nicht umsetzbar sind, dann ist das Ziel verfehlt. Bei der zum 1. August 2014 in Kraft getretenen Novelle des EEG ist diese große Chance vertan worden. Bleibt zu hoffen, dass eine Korrektur im Sinne der Umwelt erfolgt.

4 Gedanken zu “EEG-Reform verhindert Landstrom”:

  1. Ulf Evers

    Der Artikel unterstellt, Landstrom wird durch die EEG-Umlage unattraktiv, weil er teurer ist als die mit subventioniertem Diesel hergestellte Eigenversorgung. Ich kann den Ausruf: „Finde den Fehler!“ nur mühsam unterdrücken. Vielleicht sollte der Diesel nicht mehr subventioniert werden? Ein EEG-Gesetz, dessen Ziel es ist “ fossile Energieressourcen zu schonen“ und gleichzeitig wird fossile Energie subventioniert, könnte der Fehler da nicht auch an anderer Stelle liegen? Wäre über dem Artikel nicht auch die Überschrift „Dieselsubventionen verhindern Landstrom“ denkbar?

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    1. Steffen Voß

      Sehe ich auch so. Da aber das EEG in der Hand der Bundesregierung liegt und der Diesel weltweit steuerfrei ist, kann man eher am EEG als am Diesel drehen. Wenn der Diesel in Kiel teurer wird, dann bunkern die den halt in Oslo. Und insofern kann ich die Überschrift unterstützen.

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    2. Ulf Evers

      Weltweit hat man sich entschlossen der Schifffahrt zur Hilfe zu kommen & keine Steuern auf den Treibstoff zu erheben, damit liegt zumindest im Wortsinne eine Subvention vor, ob dies im juristischen oder ökonomischen Sinn anders ist, mag auf einem anderen Blatt stehen. Außerdem gibt es mehr als zwei Möglichkeiten, es wäre auch denkbar, die Eigenstromherstellung durch Verwendung fossiler Brennstoffe in deutschen Häfen zu untersagen… Vermutlich gibt es noch mehr Möglichkeiten, den Einsatz fossiler Energieressourcen auf ein unumgänglich notwendiges Maß zu beschränken, vielleicht muss man sich nur von einen Wirtschaftlichkeitsbegriff lösen, der etwas als „wirtschaftlich attraktiv“ erscheinen lässt, nur weil es scheinbar billiger ist als etwas anders. Bestrebungen um Nachhaltigkeit, Umweltschutz etc. ohne Gesamtkostenrechnung führen da, glaube ich, nicht weiter. Kurz und gut, eine Subventionierung des Landstroms, weil der Treibstoff auch subventioniert wird, führt für mich nur in zwei Spiralen: eine Abwärtsspirale für die Umwelt und eine Aufwärtsspirale für die Preisentwicklung.

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  2. Patrick CoquelinPatrick Coquelin Post author

    In diesem Fall zeigt sich wieder: Das poltisch Gewollte und die pure Realität klaffen auseinander. Der Schiffsdiesel wird nicht subventioniert, sondern ist steuerfrei – wie eigentlich überall in der Welt. Eine diesbezügliche Änderung hätte lediglich zur Folge, daß keine Reederei, sofern sie es vermeiden kann, in deutschen Häfen mehr Diesel bunkert.
    Es wäre nichts gewonnen und der Landstrom würde durch so eine Maßnahme auch nicht wirtschaftlich attraktiver.
    Die gewerbliche Schifffahrt unterliegt weltweiten Mechanismen, nationale Alleingänge greifen dort zumeist nicht.

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