Vier für Schleswig-Holstein

Von | 5. Oktober 2010

Nach der Entscheidung des Landverfassungsgericht vom 30. August 2010, dass bis zum 30. September 2012 Neuwahlen in Schleswig-Holstein statt­fin­den müs­sen, berei­ten sich die Parteien auf den kom­men­den Wahlkampf vor. Zwar steht der end­gül­ti­ge Wahltermin noch nicht fest, trotz­dem haben sich für das Amt des SPD-Spitzenkandidaten bereits vier Bewerber gefun­den, die sich dem Votum der SPD-Basis stel­len wol­len. Neben dem SPD‐ ​Landes- und Fraktionsvorsitzenden Ralf Stegner und dem Kieler Oberbürgermeister Thorsten Albig tre­ten Brigitte Fronzek, Bürgermeisterin von Elmshorn und der Kieler Mathias Stein zum Mitgliederentscheid an.

Nachdem Dieter Schnau aus Neukirchen (Nordfriesland) sei­ne Bewerbung wie­der zurück­ge­zo­gen hat, blei­ben von zunächst fünf Interessenten nur noch vier Kandidaten im Rennen. Diese wer­den sich in den kom­men­den Wochen und Monaten auf 15 Versammlungen in allen Kreisen und kreis­frei­en Städten in Schleswig‐​Holstein den Parteimitgliedern und Interessierten vor­stel­len. Nach die­sem Veranstaltungsmarathon soll eine Mitgliederbefragung fol­gen, die über die oder den zukünf­ti­gen Spitzenkandidaten abstimmt.

Als ers­ter Kandidat hat­te Torsten Albig am 3. September sei­ne Kandidatur erklärt. Albig, ein Finanzpolitiker, begann sei­ne Karriere in der Steuerverwaltung des Landes Schleswig‐​Holstein. Eine wei­te­re Station sei­ner beruf­li­chen und poli­ti­schen Karriere war Berlin, wo er von 1998 bis 2001 Pressesprecher und Leiter des Referats Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Finanzministerium war. Nach einem kur­zen Intermezzo als Konzernsprecher und Leiter der Presseabteilung der Dresdner Bank kehrt er in die Politik und nach Schleswig‐​Holstein zurück und wur­de 2002 Stadtrat und 2003 Stadtkämmerer der Landeshauptstadt Kiel. Im Februar 2006 ernann­te Bundesfinanzminister Peer Steinbrück Torsten Albig erneut zum Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Vorläufiger Höhepunkt sei­ner poli­ti­schen Karriere ist die Wahl zum Kieler Oberbürgermeister. Dort setz­te er sich vor 18 Monaten im ers­ten Wahlgang gegen die Amtsinhaberin Angelika Volquartz (CDU) durch.

Im Gegensatz zu Albig setzt die Rechtsanwältin und Elmshorner Bürgermeisterin Brigitte Fronzek weni­ger auf bun­des­po­li­ti­sche denn auf 14 Jahre kom­mu­nal­po­li­ti­sche Erfahrung. Fronzek, die seit 1995 an der Spitze der Stadt steht, wur­de 2007 mit 83,2% der abge­ge­be­nen Stimmen in ihrem Amt bestä­tigt. Weniger Erfolg hat­te sie bei der Kandidatur zur Landrätin des Kreises Pinneberg, wo sich ihr Mitbewerber von der CDU durch­setz­te. Als Spitzenkandidatin zur Landtagswahl will sie ins­be­son­de­re im Bereich Bildung und bei der finan­zi­el­len Stärkung der Kommunen ihre Schwerpunkte set­zen und hat in ers­ten Interviews bereits Infrastrukturprojekte wie die Fehmarn‐​Belt‐Brücke und die Elb‐​Querung bei Glückstadt zur Debatte gestellt.

Auf die längs­te Erfahrung als Politiker und „Landesdiener“ kann Ralf Stegner ver­wei­sen, der bereits 1990 zum Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in das Ministerium für Arbeit, Soziales, Jugend und Gesundheit beru­fen wur­de. Es folg­te 1996 die Ernennung zum Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Soziales, Jugend und Gesundheit unter der dama­li­gen Ministerpräsidentin Heide Simonis. Zwei Jahre spä­ter über­nahm er den Posten eines Staatssekretärs im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur. Am 1. März 2005 folg­te dann sei­ne Ernennung zum Minister für Finanzen. Danach wur­de Ralf Stegner Innenminister in der von Peter Harry Carstensen geführ­ten gro­ßen Koalition. Nachdem er am 15. Januar von sei­nem Amt als Innenminister zurück­trat, kon­zen­trier­te Stegner sich auf sei­ne Arbeit als Landes– und Fraktionschef der schleswig‐​holsteinischen SPD. Nach der Wahlniederlage am 27. September 2009 wur­de er als Fraktionsvorsitzender der SPD Oppositionsführer im Landtag.

Die Position des Außenseiters hat der vier­zig­jäh­ri­ge Mathias Stein aus Kiel. Über Stein, der als Personalrat bei der Wasser- und Schifffahrtsdirektion in Kiel arbei­tet, ist bis jetzt wenig bekannt.

Am Sonntag, dem 16. Januar 2011, wer­den sich die vier Kandidaten auch den Kieler SPD‐ ​Mitgliedern und Bürgern auf einer öffent­li­chen Mitgliederversammlung vor­stel­len. Das wei­te­re Verfahren sieht einen Mitgliederentscheid der ca. 20.000 SPD‐​Mitglieder vor, der letzt­lich den Spitzenkandidaten der SPD für die vor­ge­zo­ge­ne Landtagswahl bestim­men wird. Bis dahin wird es einen span­nen­den Vorwahlkampf geben, denn noch ist unge­wiss, wel­cher der vier Kandidaten sich am Ende durch­set­zen wird, um gegen Christian von Boetticher (CDU) bei der kom­men­den Landtagswahl anzu­tre­ten.

Von:

Alexander Ruoff, 34, wohnhaft in Kiel, schreibt über Kultur, Land und Leute für den fördeflüsterer.

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