Warum Kommunalpolitik? Lennart Fey von der SPD erklärt...

Von | 29. September 2012
Lennart Fey auf dem SPD Bundesparteitag im November 2009

Lennart Fey auf dem SPD Bundesparteitag im November 2009

Im nächs­ten Jahr ste­hen Kommunalwahlen an und Oliver Fink hat­te vor Kurzem bereits die nicht ganz ein­fa­chen Grundlagen erklärt. In einer losen Reihe möch­ten wir jetzt Personen vor­stel­len, die tat­säch­lich Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker sind. Überall wird Bürgerbeiteiligung gefor­dert — sie sind Bürgerinnen und Bürger und sie betei­li­gen sich. Warum sie das machen, sol­len sie selbst erklä­ren.

Lennart Fey auf dem SPD Bundesparteitag im November 2009

Lennart Fey auf dem SPD Bundesparteitag im November 2009

Diese Reihe star­tet mit Lennart Fey: Er ist aus dem dem Örtchen Dassendorf bei Geesthacht. Er ist 23 Jahre alt und in der SPD.

Landesblog: Seit wann inter­es­sierst Du Dich für Kommunalpolitik?

Lennart Fey: „Ich inter­es­sie­re mich ca. seit 2003 für Kommunalpolitik. In mei­nen Heimatdorf Dassendorf bekam die CDU damals bei der Kommunalwahl neun Sitze, SPD und Wählergemeinschaft jeweils vier. Der dann neu gewähl­te CDU-Bürgermeister hat vie­le gegen sich auf­ge­bracht und es sich mit vie­len ver­scherzt, weil er — mei­ner Meinung nach — sein Ego nicht zurück­stel­len konn­te und vie­les in der Gemeindevertretung mit sei­ner knap­pen Mehrheit durch­ge­wun­ken hat.

Ich habe damals inten­siv die ört­li­che Presse und die Internetseiten/​Flugblätter der drei ört­li­chen Parteien ver­folgt. Zur Bundestagswahl 2005 bin ich dann — vor allem wegen der Kommunalpolitik — in die SPD ein­ge­tre­ten. Ich woll­te nicht nur von Leuten ver­tre­ten wer­den die drei­mal so alt waren wie ich.

Seit 2008 bin ich nun Gemeindevertreter und Kreistagsabgeordneter. Und der CDU-Bürgermeister ist mit Pauken und Trompeten abge­wählt wor­den.”

Was ist so span­nend an Kommunalpolitik?

„Gerade im Dorf oder in der Stadt sieht man was pas­siert. Die Gemeindevertretung beschließt, dass ein Spielplatz erneu­ert wer­den soll und eini­ge Monate spä­ter steht man auf dem Spielplatz und sieht die neu­en Geräte und die Kinder die sich über die­se freu­en.
Oder es wird ein neu­es Baugebiet aus­ge­wie­sen. Die Gemeindevertretung bestimmt im gro­ben Rahmen wie (maxi­ma­le Größe der Häuser etc.) und wo die Häuser gebaut wer­den. Kommunalpolitik schafft etwas.”

Was war Dein span­nends­tes Erlebnis?

„Ein Highlight war sicher die Wahl unse­rer SPD-Bürgermeisterin. Fünf Jahre lang hat die CDU in der Gemeindevertretung gemacht was sie woll­te und nach der Kommunalwahl 2008 kipp­te die Mehrheit end­lich. Die neue Bürgermeisterin wur­de mit gro­ßer Mehrheit gewählt und seit­dem machen wir end­lich Politik frei von Ego und eige­nen Befindlichkeiten.

Ein wei­te­res Highlight ist, dass wir es geschafft haben 100m­bit/s-Internet ins Dorf zu holen. Dafür muss­ten vie­le Bürger über­zeugt wer­den mit­zu­ma­chen um eine vom Versorger gewünsch­te Anschlussquote zu errei­chen. Aber wir haben es geschafft. Anfang nächs­ten Jahres wird Dassendorf end­lich gut ver­sorgt sein. ”

Um was geht es bei Kommunalpolitik?

„Es gibt eine Masse an Themen. Teils sind sie (mei­ner Meinung nach) lang­wei­lig (Friedhofssatzung erstel­len), teils rich­tig span­nend und packend.
Zu den span­nen­den Themen gehört auch das Verhandeln und Planen.
In der Gemeinde Dassendorf haben wir lan­ge über­legt wie wir die Fußballer bes­ser unter­stüt­zen. Ein rich­ti­ger Kunstrasenplatz ist nicht finan­zier­bar, dann wur­de mit dem Vorstand des Sportvereins bera­ten und abge­wo­gen und nun wird bald ein klei­ner Kunstrasen-Übungsplatz gebaut, damit die Fußballer auch im Sommer, wenn die Rasenplätze gepflegt wer­den müs­sen, trai­nie­ren kön­nen.”

Was muss­test Du tun, um von der SPD auf­ge­stellt zu wer­den?

„Ich bin seit 2005 in der Partei, war — ohne Fraktionsmitglied zu sein — bei vie­len Fraktionssitzungen, habe mich infor­miert, habe Flugblätter ver­teilt und habe einen Einblick in die Fraktionsarbeit bekom­men. 2006 wur­de ich dann in den Vorstand der SPD Dassendorf gewählt.

Circa ein Jahr vor der Kommunalwahl wur­de ich dann gefragt, ob ich mir eine Kandidatur vor­stel­len könn­te. Einige Monate spä­ter wur­de ich als Direkt- und Listenkandidat auf­ge­stellt.”

Ist Kommunalpolitik nur eine Karrierestufe — Teil der „Ochsentour” oder ist das etwas, was man auch ohne grö­ße­re Ambitionen macht? 

„Kommunalpolitik ist auch etwas, was man ohne „grö­ße­re” Ambitionen machen kann. Nur Kommunalpolitiker wer­den um irgend­wann mal Landtags- oder Bundestagsabgeordneter zu wer­den? Nein, dan­ke. Kommunalpolitik braucht ech­te Leidenschaft.”

Wird man mit Kommunalpolitik reich?

„Ich bekom­me im Monat durch mein Kreistagsmandat und mei­nen Sitz in der Gemeindevertretung und die Teilnahme an Sitzungen rund. 120 — 160€, davon gehen aber 33% wie­der als „Spende” (Mandatsträgerabgabe) an die SPD Dassendorf bzw. SPD Herzogtum Lauenburg, damit die­se Wahlkämpfe etc. finan­zie­ren kann.”

Bist Du jetzt einer von „den Politikern”?

Nein. Ich has­se die­se Bezeichnung. Ich bin jemand der die Bürger im Kommunalparlament ver­tritt. Und: Was ist eigent­lich „ein Politiker”? Wenn über­haupt dann ist das jemand der mit der Politik sein Lebensunterhalt ver­dient — ich bin es also nicht.

Was sind die Probleme von Kommunalpolitik heu­te? Und was kann man da machen?

DAS Problem von Kommunalpolitik ist, dass sie total über­al­tert ist. Junge Menschen feh­len, immer mehr Kommunen haben nur noch eine Partei vor Ort. Was dage­gen hilft? Mitmachen!”

4 Gedanken zu “Warum Kommunalpolitik? Lennart Fey von der SPD erklärt...”:

  1. Ruediger KohlsRuediger Kohls

    Anerkennung an Lennart, dass er sich in sei­nen jun­gen Jahren kom­mu­nal­po­li­tisch enga­giert! Einige sei­ner Antworten sind auch durch­aus rich­tig. Ein Beispiel für ande­re gibt er aber den­noch nicht gera­de ab, wenn über­haupt nur ein war­nen­des!

    Denn ideo­lo­gi­sier­tes und ideo­lo­gi­sie­ren­des kom­mu­nal­po­li­ti­sches Engagement haben wir bereits genug und führt zu nichts außer Spaltung — das gilt für alle Parteien und ihre Vertreter. So sind man­che Antworten ziem­lich ent­lar­vend: Nur weil einem die Nase des Bürgermeisters der ande­ren Partei nicht passt und einem Menschen mit knapp 50 Jahren bereits zu alt sind (Altersdiskriminierung???) stellt für mich jeden­falls kei­nen hin­rei­chend nach­hal­ti­gen Grund dar, in die Kommunalpolitik zu gehen. Dass das ers­te Highlight dann die Wahl einer Parteigenossin zur Bürgermeisterin dar­stellt, zeigt wor­auf es dem Antwortenden wirk­lich in der Kommunalpolitik ankommt.

    Sich schließ­lich davon zu distan­zie­ren, was man nun mal ist — näm­lich ein Politiker — bedeu­tet, sich davon zu distan­zie­ren, was man macht — näm­lich Politik. Das fin­de ich ziem­lich arm­se­lig, auch weil es dann das Leidenschaft-Gesülze ad absur­dum führt und als etwas ent­larvt, was allen Politikern immer vor­ge­wor­fen wird: Unaufrichtiges, lee­res Politiker-Geschwurbel.

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    1. Steffen VoßSteffen Voß Post author

      Och komm, ich kann schon ver­ste­hen, dass einem nicht passt was Bürgermeister X macht und hilft, dass Bürgermeister Y gewählt wird. Irgendwas „poli­ti­siert” ja jeden, der dann Politik macht. In die­sem kon­kre­ten Fall war es halt der Ego-Bürgermeister, der zufäl­lig in einer ande­ren Partei war. Vielleicht ist da ja sogar die CDU ganz froh, den los zu sein…

      Und die Frage nach „den Politikern” ging ja eher in die Richtung, ob man jetzt zu denen gehört, denen alles mög­li­che vor­ge­wor­fen wird… Und sich von zu distan­zie­ren, ist doch okay.

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      1. Ruediger KohlsRuediger Kohls

        Och komm… ;-) Was Du mit der Fragestellung impli­ziert hast mag ja etwas ande­res gewe­sen sein — aber Lennart hät­te es kaum kla­rer aus­drü­cken kön­nen, dass er es so nicht ver­stan­den hat. Und ich glau­be auch nicht, dass er Welpenschutz in Form von Interpretationshilfe braucht!

        Im Grunde gehört er ja nach eige­nen Angaben eigent­lich gar nicht in die­se Artikelserie, die nach dei­ner Absicht Personen vor­stel­len soll, „die tat­säch­lich Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker sind”. ;-)

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  2. Lennart Fey

    Hallo Rüdiger,

    grund­sätz­lich stim­me ich dir zu, Kommunalpolitik — gera­de im 3000 Einwohner -Dorf- soll­te nicht ideo­lo­gisch geprägt sein. Dassendorf ist lei­der spe­zi­ell. Ich wer­de es ver­su­chen zu erklä­ren, in dem ich dei­ne Kritik beant­wor­te:

    „Nur weil einem die Nase des Bürgermeisters der ande­ren Partei nicht passt und einem Menschen mit knapp 50 Jahren bereits zu alt sind (Altersdiskriminierung???) stellt für mich jeden­falls kei­nen hin­rei­chend nach­hal­ti­gen Grund dar, in die Kommunalpolitik zu gehen.”

    Leider ist es kein „nur”. Der Ex-Bürgermeister hat vie­le gegen sich auf­ge­bracht, er hat — mei­ner Meinung nach — im Umgang mit vie­len Mitmenschen ver­sagt. Hier spielt es kei­ne Rolle, ob der Herr in der CDU oder in einer ande­ren Partei ist. Ich kri­ti­sie­re im Interview nicht die CDU, mit der möch­te ich in Dassendorf ja ger­ne zusam­men­ar­bei­ten. Aber mit dem Ex-Bürgermeister, der heu­te Fraktionschef der CDU Dassendorf ist, ist eine Zusammenarbeit lei­der unmög­lich.
    Wir als nun größ­te Fraktion sind auf die CDU und die Wählergemeinschaft zuge­gan­gen. Ein paar Wochen hat die Zusammenarbeit funk­tio­niert, dann kamen Beiträge wie du sie auf der Homepage der CDU Dassendorf fin­dest: Unsachlich und per­sön­lich angrei­fend. Eine Zusammenarbeit mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden ist so nicht mög­lich.
    In sei­ner Zeit als Bürgermeister hat er es geschafft, dass 300 Menschen gegen ihn (bzw. die finan­zi­el­le Schlechterstellung des ev, Kindergartens durch sei­ne Politik) demons­trie­ren. Auch emp­feh­le ich die­sen Beitrag und den dazu­ge­hö­ri­gen Zeitungsartikel: http://www.spd-dassendorf.de/index.php?nr=160&menu=1

    Wie gesagt: Es geht nicht dar­um, dass eine Partei in Dassendorf „gut” und die ande­re „böse” ist. Es geht lei­der dar­um, dass man mit einer Person aus der CDU Dassendorf nicht zusam­men­ar­bei­ten kann.

    Zur „Altersdiskriminierung”: Sorry, aber das ist tota­ler Quatsch. Ich war bei einer Gemeindevertretersitzung, sah vie­le alte, fast alle Ü50 und woll­te nicht nur von denen ver­tre­ten wer­den. Natürlich ist das — und mein Wunsch nach einen poli­ti­schen Wechsel — genug Motivation um kom­mu­nal­po­li­tisch aktiv zu wer­den. Warum jemand kom­mu­nal­po­li­tisch aktiv wird kann sicher vie­le Gründe haben. Bei mir waren es eben oben genann­te!

    „Dass das ers­te Highlight dann die Wahl einer Parteigenossin zur Bürgermeisterin dar­stellt, zeigt wor­auf es dem Antwortenden wirk­lich in der Kommunalpolitik ankommt.”

    Hier kann ich fast nur auf oben geschrie­be­nes ver­wei­sen. Der Ex-Bürgermeister hat vie­le Dassendorfer gegen sich auf­ge­bracht. Es ging also um einen Neuanfang für Dassendorf. Es ging um den Wechsel des Bürgermeisteramtes.
    Ja, ich bin stolz auf mei­ne Bürgermeisterin. Ich bin stolz, dass wir den Wechsel geschafft haben. Und ja, die­ser Wechsel ist für mich ein Highlight, weil wir damit vie­le Dassendorfer glück­lich gemacht haben.

    „Sich schließ­lich davon zu distan­zie­ren, was man nun mal ist – näm­lich ein Politiker – bedeu­tet, sich davon zu distan­zie­ren, was man macht – näm­lich Politik.”

    Ich blei­be dabei, ich hal­te das Wort „Politiker” für falsch, weil jeder Mensch Politik macht und machen kann. „Die Politker”, oder „Ihr Politiker habt ja wie­der…” die­ses Gesülze mag ich nicht mehr hören. Jeder Mensch kann Politik machen, jeder Mensch ist ein poli­ti­sches Wesen!

    Wie gesagt: Die Dassendorfer Verhältnisse sind schwer zu erklä­ren, ich hof­fe es ist gelun­gen etwas Licht ins Dunkle zu brin­gen.

    Grüße

    Lennart

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