Zwischen den Jahren - wenn Ämter auf dem Podium sitzen

Von | 30. Mai 2012

Zu den heik­len Dingen im beruf­li­chen Leben der MitarbeiterInnen einer Ministerin oder eines Ministers gehö­ren Einladungen, deren Termin mit demo­kra­ti­schen Grenzen kol­li­diert: Die Einladung, im März aus­ge­spro­chen, fin­det im Juni statt. Zwischendrin lie­gen regu­lä­re Landtagswahlen.

Da gilt es abzu­wä­gen, ob hier der pri­va­te Mensch, die Parteipolitikerin oder der Minister ange­spro­chen wur­de. Da kann man hin­ter­fra­gen, ob es ein fak­ti­scher Pflichttermin für einen Minister ist – die Person, die das Amt aus­füllt, qua­si nur Platzhalter ist. Und dann muss man die Zu- oder Absage oder das Herumgerede mög­lichst geschickt for­mu­lie­ren. Denn zum einen hat der Veranstalter einen Anspruch auf Planungssicherheit, ande­rer­seits darf er kei­ne hell­se­he­ri­schen Fähigkeiten erwar­ten. 

Damit nicht genug muss der Veranstalter sich nun den Kopf zer­bre­chen, wie er sei­ne Veranstaltungseinladung kon­zi­piert. Nennt er nur die Person, weil sie allein Kraft ihrer per­sön­li­chen Kompetenz spre­chen, dis­ku­tie­ren oder auf­tre­ten soll? Nennt er nur das Amt und benennt die für jeder­mann erkenn­ba­re Unsicherheit über die Person? Ist „Minister a.D.“ als Ehrenbezeichnung für jeman­den, der das im Augenblick noch nicht ist, nicht irgend­wie despek­tier­lich? Nennt er am bes­ten nie­man­den? 

Was über­haupt nicht geht: An ver­gan­ge­nen Wochenende – also Wochen(!) nach der Wahl in Schleswig-Holstein – in der Post eine gedruck­te Einladung zu einer Podiumsdiskussion am 27. Juni zu fin­den, in der „Finanzminister Rainer Wiegard“ auf dem Podium sitzt. Und wenn man glaubt, das kön­ne man nicht mehr stei­gern, dann fin­det man die­se Einladung noch am 29. Mai 2012 online.

Von:

Swen Wacker, 49, im Herzen Kieler, wohnt in Lüneburg, arbeitet in Hamburg.

3 Gedanken zu “Zwischen den Jahren - wenn Ämter auf dem Podium sitzen”:

  1. Sönke E. Schulz

    Lieber Herr Wacker,
    in der Tat stellt eine sol­che Situation eine Herausforderung für die „Planenden” dar. Ich darf Sie jedoch auf Art. 27 Abs. 1 der Landesverfassung hin­wei­sen, nach dem das Amt der Landesminister „mit dem Zusammentritt eines neu­en Landtages”, also der kon­sti­tu­ie­ren­den Sitzung endet. Dies gilt auch für Herrn Minister Wiegard. Bis zur Wahl eines neu­en Ministerpräsidenten ver­bleibt die bis­he­ri­ge Regierung zudem geschäfts­füh­rend im Amt (Art. 27 Abs. 2 LVerf SH). Diese ist für den 12. Juni ter­mi­niert. Ob wir uns anschlie­ßend ent­schei­den, dass Programm zu aktua­li­sie­ren, über­las­sen Sie bit­te uns.
    Beste Grüße
    Sönke E. Schulz, geschäfts­füh­ren­der wis­sen­schaft­li­cher Mitarbeiter am Lorenz-von-Stein-Institut

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    1. Oliver Fink

      Ich kann nicht erken­nen, dass Swen Wacker Ihnen die Aktualisierung des Programms nicht über­las­sen woll­te. Ob und wie wir im Landesblog berich­ten, das über­las­sen Sie bit­te uns.

      Reply
      1. Sönke E. Schulz

        Ich woll­te nur zu erken­nen geben, dass wir ggf. eine Aktualisierung vor­neh­men — aber eben zum rich­ti­gen Zeitpunkt. Die der­zei­ti­ge Bezeichnung ist voll­kom­men zutref­fend.

        Reply

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