Kreiswanderungen

Von | 13. September 2011

Es gibt Länder, da wohnt man gedrängt. Und es gibt Länder, da ist um einen her­um wahn­sin­nig viel Platz. Wäre es nicht irgend­wie gerech­ter, wenn der Staat mit den meis­ten Einwohnern das Land mit der größ­ten Fläche bekäme?Also alle Nationen und Staatsgebiete exakt nach demo­gra­phi­schem Messzahlen auf­ge­teilt wer­den wür­den. Der Blogger jpalmz frag­te sich auf reddit.com vor gut 10 Monaten, wie die Welt aus­sä­he, wenn man die Länder ein­fach mal neu ver­teil­te — nach Einwohnerzahl. Das Ergebnis ist lus­tig, regt ab und an zum Nachdenken an. Wir Deutschen wohn­ten übri­gens dann zukünf­tig in Saudi-Arabien, hier zögen die Einwohner Kasachstans ein. Die Süddeutsche Zeitung hat sich tief­sin­nig mit dem „gro­ßen Umzug” beschäf­tigt. 

Die Zeit hat das in der letz­ten Woche (9. September 2011) auf Deutschland run­ter­ge­bro­chen (wobei man nicht auf jpamlz ver­link­te und aus „vor 10 Monaten” wohl der Aktualität hal­ber „kürz­lich” mach­te): Wir Schleswig-Holsteiner räum­ten dann den Platz zwi­schen den Meeren für die Thüringer und gin­gen nach Rheinland-Pfalz. Die Bayern wan­der­ten nach Niedersachsen aus und Nordrhein-Westfalens Einwohner fän­den eine neue Heimat in Bayern. Nach die­ser Völkerwanderung der bei­den gro­ßen deut­schen Stämme über das Territorium der Hessen hin­weg sähe es dort bestimmt wüst aus. Was die Hessen, die nun in Brandenburg weil­ten, nicht mehr stör­te, aber sicher die Pfälzer, die müss­ten dort näm­lich hin­zie­hen. Unser Hamburger Nachbarn ver­schlü­ge es übri­gens ins Saarland; wäh­rend die Bremer, wie die Baden-Württemberger, ein­fach sit­zen blie­ben und die Mecklenburger Berlin erober­ten. Und so wei­ter.

Wie wäre das in Schleswig-Holstein? Trennt man Kreise und kreis­freie Städte, dann tausch­ten zunächst mal Kieler und Lübecker und Flensburger und Neumünsteraner die Wohnorte. Bei den Kreisen müss­ten Ostholsteiner und die Lauenburger müss­ten nichts machen: Sie blei­ben sit­zen, oder ste­hen, oder lie­gen — je nach­dem. Aus der Enge Pinnebergs gin­ge es für die dor­ti­gen Einwohner in die unend­li­chen Weiten des Kreises Rendsburg-Eckernförde. Deren Ureinwohner zögen nach Nordfriesland. Das har­te hohe Friesengewächs dürf­te zukünf­tig in Plön hei­misch sein. Dithmarschen und Steinburg rück­ten je einen Kreis ost­wärts. Immerhin, denn was für ein Drama, wenn man sich vor­stell­te, Dithmarscher und Nordfriesen hät­ten tau­schen müs­sen. Plön rück­te an den Hamburger Rand nach Stormarn. Diese wie­der­um hät­ten den lan­gen Weg nach Dithmarschen anzu­tre­ten, behiel­ten aber die Autobahnanbindung an Hamburg. Schleswig-Flensburg und Segeberg mach­ten einen Wohnungstausch.

Und dann? Die Lübecker wür­den nun end­lich in der Landeshauptstadt woh­nen. Und die Neumünsteraner in einer Universitätsstadt. Welche Steinburger aber woll­ten wohl nach Helgoland? Ob die Nordfriesen mit den eher nied­li­chen Deichen der Ostsee zurecht kämen? Immerhin wäre die Gefahr einer Küstenschutzabgabe fast völ­lig gebannt. Und was machen wir, wenn die demo­gra­phi­sche Entwicklung die Reihenfolge in ein paar Jahren neu ver­teilt? Das Speditionsgewerbe wür­de es freu­en; aber sonst?    

Karte: NordNordWest CC: BY-SA / wikimedia commons

Karte: NordNordWest CC: BY-SA /​ wiki­me­dia com­mons

Von:

Swen Wacker, 49, im Herzen Kieler, wohnt in Lüneburg, arbeitet in Hamburg.

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