Parlamentarischer Abend: Zukunft der Bildung im ländlichen Raum

Von | 21. Dezember 2011

Parlamentarische Abende haben in Kiel eine gute lan­ge Tradition. Regelmäßige Leser des mon­täg­li­chen Kalenderblattes ken­nen die­se Veranstaltungen: Einladende sind Verbände und Vereine, Interessengruppen aus Wirtschaft oder Verwaltung. Eingeladen wer­den, je nach Thema, Abgeordnete und die inter­es­sier­te Öffentlichkeit. Der ein­la­den­de Verband infor­miert über „sein“ Thema, das ihm wich­tig ist; noch wich­ti­ger aber ist der anschlie­ßen­de zwang­lo­se Austausch.

In der ver­gan­ge­nen Woche hat­ten die Akademie für länd­li­che Räume und der Landesverband der Volkshochschulen zum Thema „Zukunft der Bildung im länd­li­chen Raum“ gela­den. Rund 100 Besucher sind der Einladung in den Schleswig-Holstein-Saal des Landeshauses gefolgt. Landtagspräsident Torsten Geerdts sprach von gutem Zuspruch und gro­ßem Interesse auf Seiten der Abgeordneten.

Ich sprach mit einem der Veranstalter, Dr. Martin Lätzel, Verbandsdirektor der Volkshochschulen im Land, über den Verlauf des Abends. Mich inter­es­sier­te, mit wel­chen Ambitionen Veranstalter einen par­la­men­ta­ri­schen Abend initi­ie­ren, wel­che Hoffnungen sie damit ver­bin­den.

 

Herr Lätzel, war­um über­haupt ein par­la­men­ta­ri­scher Abend?

Der Abend steht in der Tradition der schon län­ger bestehen­den Koalition für die länd­li­chen Räume. Verschiedene Initiativen, unter der Federführung der Akademie für die länd­li­chen Räume, haben 2008 ein Papier ver­öf­fent­licht, in dem wesent­li­che Merkmale fest gehal­ten wur­den, wie die länd­li­chen Räume in Zukunft ent­wi­ckelt wer­den könn­ten. Ziel ist es, die Landstriche leben­dig zu hal­ten, attrak­tiv für Einwohner und Unternehmer, weil – dar­auf wies der Landtagspräsident bei der Veranstaltung hin – Schleswig-Holstein über­wie­gend aus länd­li­chen Räumen besteht.

 

Wie und mit wem wur­de das Thema prä­sen­tiert?

Mit einer Art klei­nen Bildungsreise woll­ten wir das Spektrum der Herausforderung, der sich das Land zu stel­len hat auf­zei­gen. Da waren die Verantwortlichen von Kindertagesstätten in Nordfriesland, die berich­te­ten, wie viel Engagement es bedeu­te, einen guten Übergang von KiTa und Schule hin­zu bekom­men und wel­chen Wert aus­ge­dehn­te Betreuungszeiten für berufs­tä­ti­ge Eltern haben. Da waren Vertreter von Schulen. Ihr Hinweis auf neu­es­te Erkenntnis der Hirnforschung mach­te deut­lich, dass wir viel­leicht weni­ger über Schulstrukturen als viel­mehr über Schulqualität dis­ku­tie­ren müs­sen. Wie ler­nen Kinder heu­te opti­mal? Und was hat das mit den Einrichtungen zu tun, zumal im länd­li­chen Raum?
Ein Berufsschullehrer und ein Handwerker berich­te­ten über Initiativen für eine gute Ausbildung und, was genau­so wich­tig wäre, das Erlernen von Grundlagen und sei es nur, pünkt­lich zur Arbeit zu kom­men und inter­es­siert dabei zu sein. Vertreter der Erwachsenenbildung zeig­ten auf, wel­che Rolle ihre Einrichtungen im länd­li­chen Raum spie­len, als Bildungsstätte und als Volkshochschule. Da geht es um Komplementärangebote oder um die Möglichkeit, sich in ange­neh­mer Umgebung gut wei­ter­zu­bil­den.

 

Welche Wünsche haben Sie an Politik und Verwaltung im Land?

Ich wün­sche mir ein inte­grier­tes Verständnis von Bildung. Die Gespräche haben gezeigt, dass es vie­le gute Initiativen schon gibt und dass es in der Tat not­wen­dig sei, den Ganztagsschulbereich aus­zu­bau­en. Die Bildungsreise des Abends beweist uns, dass es nun dar­auf ankommt, Ansätze und Initiativen mit­ein­an­der zu ver­knüp­fen, um zu akti­ven regio­na­len Bildungslandschaften zu kom­men, die einen wesent­li­chen Anteil an der Regionalplanung des länd­li­chen Raumes haben müss­ten.

Wie geht es jetzt wei­ter? Was erwar­ten Sie von Landtag und Regierung?
Was wer­den die Verbände machen?

Wir wer­den wei­ter am Thema blei­ben. Der Aufbau regio­na­ler Bildungslandschaften ist eine gro­ße Chance zur Entwicklung der länd­li­chen Räume. Das schafft Synergien und ent­spricht dem Postulat des Livelong-learning. Von Politik und Verwaltung erhof­fe ich mir Interesse für das Thema. Wir brau­chen alle in Boot, denen das Thema Bildungsqualität und Bildungsplanung ein Anliegen ist. Das ist alle­mal bes­ser als blo­ße Schließung von Bildungsstandorten.

Von:

Swen Wacker, 49, im Herzen Kieler, wohnt in Lüneburg, arbeitet in Hamburg.

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