Lokalradio in Schleswig-Holstein: Mehr Vielfalt oder Sargnagel für die Etablierten?

Von | 28. November 2013

Radio mit noch mehr Auswahl / CC-BY-SA

Seitens der Politik gibt es etwa seit dem Sommer die grund­sätz­li­che Bereitschaft, in Schleswig-Holstein auch Lokalradios zulas­sen zu wol­len. Das bringt Zeitungsverleger und die lan­des­wei­ten, pri­va­ten Radiosender auf die Zinne und es sorgt für Enthusiasmus bei denen, die sich etwa auf Sylt oder rund um Ratzeburg teils schon seit Jahren für Lokalradio enga­gie­ren. Am Montag hat sich zudem das Lokalradionetzwerk Radiogroup zum Thema geäu­ßert.

Geplant sind sei­tens der Landesregierung Lizenzen für zunächst zwei kom­mer­zi­el­le, pri­va­te Lokalradios. Eines auf Sylt und eines in Ratzeburg. (Leider ist die dar­in erwähn­te Studie der MA HSH online nicht ver­füg­bar.) Auf Sylt gibt es bereits zwei loka­le Webradios, in Ratzeburg strengt sich ein Betreiber sehr an, dort auch auf UKW sen­den zu dür­fen und hat dazu sogar eine Studie bei Ex-Alsterradio-Inhaber Ulrich Bunsmann in Auftrag gege­ben. Ergebnis: Nicht leicht, aber mach­bar.

Gegner: Zeitungsverlage und etablierte Radiosender

Die Medienholding Regiocast mit den drei lan­des­wei­ten Privatradios r.sh, Radio NORA und del­ta radio hat sich schon früh in einem Brief an die Fraktionsvorsitzenden der Parteien im schles­wig-hol­stei­ni­schen Landtag gewandt, den Patrick Breyer (Piraten) in sei­nem Blog ver­öf­fent­licht hat. Darin heißt es unter ande­rem, dass die Werbelandschaft in Schleswig-Holstein drei lan­des­wei­te und zusätz­li­che loka­le Radiosender wirt­schaft­lich nicht tra­gen kön­ne. Die Verfasser bau­en fol­gen­des Szenario auf: Wenn Lokalradios in Schleswig-Holstein lizen­siert wer­den, buchen bis­her regio­nal ori­en­tier­te Kunden ihre Werbung nicht mehr län­ger regio­na­li­siert bei den gro­ßen Sendern, son­dern tra­gen ihr Geld lie­ber zum Lokalradio vor Ort. r.sh rech­net stell­ver­tre­tend für die ande­ren bei­den Sender des Hauses mit Einnahmeausfällen von rund zwei Millionen Euro pro Jahr.

Weiter führt die Regiocast die Meinungsvielfalt an, die durch Lokalradios kei­nen ent­schei­den­den Beitrag erfah­ren wür­de. Im Wesentlichen stützt sich die­se Befürchtung auch auf die Wirtschaftlichkeit der Sender:

Die Produktion mei­nungs­re­le­van­ter Inhalte jed­we­der media­len Aufbereitung (TV, Radio, Print, Online) ist kos­ten­in­ten­siv. Wort, ins­be­son­de­re mei­nungs­re­le­van­tes Wort, ist in der Radioproduktion der teu­ers­te Programmbestandteil. Dies gilt ins­be­son­de­re für loka­le Themen, da deren jour­na­lis­ti­sche Aufbereitung zumeist nicht durch Nachrichtenagenturen wie dpa vor­be­rei­tet wird. Keine jour­na­lis­tisch sau­be­re, per­so­nal­in­ten­si­ve Aufbereitung loka­ler Themen wäre hin­ge­gen das rei­ne Verlesen von Pressemitteilungen oder die unge­fil­ter­te Verwendung ander­wei­tig inter­es­sen­ge­lei­te­ter Kommunikation. Im Gegenteil: Ein der­ar­ti­ges Handwerksverständnis, was [sie­he unten] im Lokalfunk in Deutschland gera­de in klei­ne­ren Lokalstationen viel­fach zu beob­ach­ten ist, führt den Gedanken der objek­ti­ven, jour­na­lis­ti­schen Publizität und Meinungsrelevanz ad absur­dum.
Die Produktion zumin­dest stünd­li­cher Iokaler Nachrichten im Tagesprogramm erfor­dert die Beschäftigung von min­des­tens drei Nachrichtenredakteuren. Weitere, Lokalinformationen „sam­meln­de“ Reporter sowie Moderatoren sind not­wen­dig, um auch nur in die Nähe von Meinungsrelevanz zu kom­men.

Der Brief schließt mit einem — wie ich fin­de — unver­hoh­le­nen Erpressungsversuch:

Gleichsam drückt sich die über vie­le Jahre geschaf­fe­ne Verbundenheit der R.SH-Gruppe/REGIOCAST mit sei­nem .Stamm-Bundesland” unter­neh­me­risch auch dar­in aus, dass rund 50 Mitarbeiter in Kiel für Radiostationen außer­halb Schleswig-Holsteins tätig sind: dies obwohl REGIOCAST dane­ben Standorte in deut­lich medi­en­af­fi­ne­ren Städten wie Hamburg, Frankfurt oder Berlin unter­hält.

Als wei­te­re Gegenargumente wer­den im Anhang ein trans­skri­bier­ter ZAPP-Beitrag über den Radiogroup-Lokalsender „Antenne Kaiserslautern”, ein Artikel über ein NRW-Lokalradio, das aus wirt­schaft­li­chen Gründen schlie­ßen muss­te, und die eige­ne regio­na­le Berichterstattung ange­führt. Dazu kom­me ich noch.

Befürworter: Die Lokalradio-Kette Radiogroup

Anfang die­ser Woche ver­öf­fent­lich­te Patrick Breyer ein Positionspapier „Pro Lokalfunk” der Radiogroup auf sei­nem Blog. Die Verfasser stel­len dar­in den Lokalfunk als unein­ge­schränk­te Erfolgsgeschichte dar und spre­chen die mei­nes Erachtens etwas stei­le These aus, dass Schleswig-Holstein locker 14 kom­mer­zi­el­le, pri­va­te Lokalradios tra­gen kön­ne. Besonders schön ist der Hinweis, dass es in den USA rund 10.000 loka­le Radiosender gebe und dass dies für gro­ßes, unge­nutz­tes Lokalradiopotential für Deutschland spre­che. (Auf die Idee muss man natür­lich erst­mal kom­men.)

Anders als die Regiocast argu­men­tiert die Radiogroup, dass zwar der Anteil von Radio am Werbemarkt ins­ge­samt mit 5% sehr gering sei, die Umsätze der deut­schen Radios zuletzt aber gestie­gen sei­en. Auch der Kostendeckungsgrad von Lokalradios sei — einer im Positionspapier ver­link­ten Studie der BLM zufol­ge — mit 108 bis 119% durch­aus zufrie­den­stel­lend.

Dabei hat der Privatfunk in Bayern mir dem Bayerischen Rundfunk einen star­ken Mitbewerber im Werbemarkt, der täg­lich 128 Minuten auf 5 wer­be­tra­gen­den Programmen sen­den darf. Die Radio Group mit 11 Sendern in Rheinland-Pfalz hat mit dem SWR einen Marktteilnehmer, der sogar 177 Minuten auf 5 Programmen machen darf. Der NDR hat nur ein ein­zi­ges wer­be­tra­gen­des Programm mit einem Limit von nur 60 Minuten Werbung pro Tag. Entsprechend grö­ßer sind in Norddeutschland auch die Potenziale für pri­va­ten Hörfunk.

Die von der Regiocast gestreu­te Angst vor dem Abwandern zahl­rei­cher regio­na­ler Werbekunden tritt die Radio Group mit ihren eige­nen Erfahrungen aus Rheinland-Pfalz ent­ge­gen:

Bei Markteintritt eines wei­te­ren Senders ist zudem zu beob­ach­ten, dass alle Akteure gewin­nen. Bei Sendestart von sechs der Radio-Group-Sender in Rheinland-Pfalz 2008 konn­te der Mitbewerber RPR 1 sowohl an Reichweite als auch an Umsätzen zule­gen. Die neu­en Sender haben offen­sicht­lich bis dahin nicht aus­ge­schöpf­te Potenziale erschlos­sen. Tatsächlich schal­ten über 80 % der Werbekunden der Radio Group kei­ne Werbung selbst auf den regio­na­len Fenstern von RPR 1 (ana­log zu RSH), weil auch das klei­ne­re Sendegebiet immer noch zu hohe  Streuverluste bedeu­tet. Dies gilt für sehr vie­le Gewerbetreibende, die nur ein sehr ein­ge­schränk­tes Einzugsgebiet haben, wie z.B. Gastronomie, Handwerk, Apotheken, Ärzte, Anwälte und  den über­wie­gen­den Teil des klei­nen und mitt­le­ren Einzelhandels.

Weiter führt die Gruppe an, dass es nach dem Start von Antenne Kaiserslautern einen spür­ba­ren Qualitätszuwachs beim lan­des­wei­ten Wettbewerber RPR 1 und der Lokalzeitung gege­ben habe und dass eine Studie der rhein­land-pfäl­zi­schen Landesmedienanstalt den Lokalradios der Radio Group beschei­ni­ge, „im Hinblick auf die Qualität, ins­be­son­de­re des loka­len,  infor­mie­ren­den Wortprogramms, und auf die Nutzung im loka­len Hörermarkt sehr gute Ergebnisse (zu) erzie­len”.

Nicht alles Gold was glänzt

Die besag­te Lokalfunkstudie stammt aus dem Jahr 2010 und ist ledig­lich eine Umfrage unter den Hörern der Sender. Man kann hier also nicht von einer Untersuchung der Inhalte spre­chen, auch wenn die Radiogroup das ein wenig so dar­stellt. Plakativ for­mu­liert bil­det die Studie die „gefühl­te Qualität” ab. Dass es mit der Qualität, ins­be­son­de­re des loka­len, infor­mie­ren­den Wortprogramms offen­bar anders aus­sieht, als es die Hörer der Programme wahr­neh­men, zeig­te besag­ter ZAPP-Beitrag im April 2013, den die Regiocast in ihrem Brief an die Fraktionsvorsitzenden in sei­ner trans­skri­bier­ten Form anfügt.

Natürlich lobt sich auch die Regiocast selbst über den grü­nen Klee. Über die eige­ne publi­zis­ti­sche Leistung heißt es:

R.SH schal­tet min­des­tens 5x am Tag sei­ne Programme zum Teil mehr­fach (!) aus­ein­an­der, und dies nicht nur in die Regionen Nord und Süd, son­dern in bis zu fünf ver­schie­de­ne (!)  Regionen im Land.  (Anm.: Interpunktion von denen)

Damit sind zunächst die Regionalnachrichten gemeint, die mit etwa 2 Minuten Länge mon­tags bis frei­tags tat­säch­lich fünf mal täg­lich aus­ge­strahlt wer­den. Radio Nora und del­ta radio regio­na­li­sie­ren ihre Nachrichten jeweils vier mal täg­lich, del­ta radio rech­net auch täg­lich vier Ausgaben des regio­na­li­sier­ten Veranstaltungskalenders mit in die publi­zis­ti­sche Leistung ein. Eine nicht beson­ders auf­wän­di­ge Stichprobe ergibt: Für die Regionalnachrichten wer­den zwei inhalt­lich unter­schied­li­che Nachrichtensendungen pro­du­ziert, die rol­lie­rend wie­der­holt wer­den. Damit redu­ziert sich die publi­zis­ti­sche Leistung in der regio­na­len Berichterstattung um min­des­tens 50%.

Was pas­siert da nun inhalt­lich?

Die Regionalnachrichten aller drei Sender wer­den vom sel­ben Sprecher prä­sen­tiert. Dementsprechend ist kei­ne die­ser Sendungen eine ori­gi­nä­re Eigenleistung des jewei­li­gen Senders. Die publi­zis­ti­sche Leistung eines jeden Senders redu­ziert sich dadurch noch wei­ter. Ich habe in letz­ter Zeit immer mal wie­der ver­schie­de­ne Ausgaben der Regionalnachrichten für die Region Flensburg/​Sylt/​Heide gehört. Das ist zwar Standard,  hand­werk­lich sau­ber, aber letzt­lich Agenturjournalismus, der mit tele­fo­ni­schen O-Tönen auf­ge­peppt wur­de. Eigene Geschichten habe ich dort bis­lang nicht gehört, inwie­fern eine ech­te Themenrecherche im Tagesgeschäft die­ser Nachrichtenproduktion über­haupt mög­lich ist, kann ich nicht ein­schät­zen. Da sich in Heide zwei Sendegebiete über­schnei­den, kann ich eben­falls sicher sagen, dass es auch nur einen Sprecher für die ver­schie­de­nen Regionalisierungen gibt. Da ist also ein Mitarbeiter mit (laut Regiocast) fünf Regionen und drei Sendern beschäf­tigt. Der kann sich natür­lich sehr groß­zü­gig bei den lan­des­wei­ten Nachrichten bedie­nen, zum Teil lau­fen Meldungen in den jewei­li­gen Hauptnachrichten und wer­den eine hal­be Stunde spä­ter wort­gleich in den Regionalnachrichten wie­der­holt — nur eben von einem ande­ren Sprecher. Eines jedoch kann er nicht: Sich in eine Region ein­ar­bei­ten, ech­te Kontakte auf­bau­en und eige­ne Themen recher­chie­ren. Das kann Lokalfunk aber. Reporter vor Ort schaf­fen sich Netzwerke, sind in der Region bekannt und bekom­men so Wind von Themen, bevor sie durch die Agenturen lau­fen.

Fazit

Schleswig-Holstein braucht mehr publi­zis­ti­sche Vielfalt. Ich kann in dem Punkt ein Argument der Radiogroup voll­um­fäng­lich unter­schrei­ben:

Die Medienlandschaft in Schleswig-Holstein ist von einer sehr hohen Konzentration geprägt. Der Großteil der Gemeinden wird nur von einer ein­zi­gen Tageszeitung ver­sorgt, die wie­der­um zumeist den Markt für wer­be­fi­nan­zier­te Wochenzeitungen beherrscht und das größ­te loka­le Online-Angebot betreibt. Weiterhin sind die­se weni­gen Zeitungsverlage die größ­ten Gesellschafter bei den drei lan­des­wei­ten Radiosendern. Diese wer­den aus einer Hand (MACH 3) ver­mark­tet und pro­du­ziert (Radiozentrum Kiel). Schon laut Konzentrationsbericht der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) in einer Fallstudie über Radio Schleswig-Holstein, liegt also unter dem Gesichtspunkt der Vielfalt kei­ne opti­ma­le Struktur vor“. Der Bericht kommt zu dem Schluss: „Dies gilt für RSH ins­be­son­de­re in Norddeutschland.“ Nach Ansicht von Dr. Jürgen Brautmeier, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), ist die Medien- und damit die Meinungsvielfalt beson­ders im loka­len Bereich stark gefähr­det. Auch das  KEK-Mitglied, Prof. Dr. Dieter Dörr, hat in einer Rede bei der Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) vor der bestehen­den Gefahr zuneh­men­der Medienkonzentration gewarnt.

Das allein ist das Wichtigste Argument für die Zulassung vie­ler Lokalradios. Es ist dann eine Frage der Medienaufsicht und der Lizenzauflagen, ob und wie ein ech­ter publi­zis­ti­scher Mehrwert ent­ste­hen kann. Entscheidend ist, dass die Lizenzkommission den Anbietern den Zuschlag für die Sendelizenzen gibt, die sich schon jetzt vor Ort enga­gie­ren. Ein ehe­ma­li­ger Geschäftsführer eines Radiogroup-Senders hat mir im per­sön­li­chen Gespräch einst gesagt „Es gibt Low Budget-Sender, wir sind ein No Budget-Sender” und das las­se ich jetzt mal unkom­men­tiert so ste­hen.

Dass die Landesregierung die ganz­jäh­rig wirt­schaft­lich attrak­ti­ven Märkte aus­klam­mert und statt­des­sen nur auf Sylt und Ratzeburg setzt, kann nur als Einknicken vor Verlagen und Regiocast ver­stan­den wer­den. In Städten wie Flensburg, Kiel, Lübeck und Neumünster wirt­schaft­lich trag­fä­hig und the­ma­tisch viel­fäl­tig zu arbei­ten ist nach mei­ner Einschätzung über­haupt kein Problem. Die Macher auf Sylt und in Ratzeburg wer­den sich sehr stark stre­cken müs­sen.

Aber bit­te nicht falsch ver­ste­hen: Selbst in einem ver­gleichs­wei­se klei­nen Markt kann man grund­sätz­lich ein wirt­schaft­lich trag­fä­hi­ges Lokalradio betrei­ben, davon bin ich über­zeugt. Wichtig ist natür­lich, sich nicht zu ver­ren­nen. Ein Lokalradiobetreiber muss sich ganz zwin­gend auf sei­ne Kernkompetenz Lokaljournalismus kon­zen­trie­ren. Das bedeu­tet im Einzelnen:

  • Deutschland/Welt-Nachrichten extern ein­kau­fen. Dienstleister gibt es genug, die Möglichkeiten der Radioautomation ermög­li­chen es, die Nachrichten naht­los ins Programm ein­zu­fü­gen.
  • Musikplanung extern ein­kau­fen. Es wäre zwar wün­schens­wert, einen eige­nen Musikredakteur zu beschäf­ti­gen und indi­vi­du­ell zu pla­nen, das kos­tet aber zu viel.
  • Keine 24/7-Moderation. Macht die Konkurrenz auch nicht und ab spä­tes­tens 20 Uhr hören nur noch die 5 Taxifahrer der Nachtschicht zu. Ein Kernprogramm von 6.00 bis 18.00 Uhr fast aus­schließ­lich mit loka­len Inhalten zu fül­len, ist schon Arbeit genug.
  • Landes- und bun­des­wei­te Vermarktung durch exter­ne Dienstleister. Das bringt viel und kos­tet wenig eige­nes Personal.

In der Außenwahrnehmung wird durch Hörer oft erwar­tet, dass ein Lokalradio einem lan­des­wei­ten Mitbewerber ernst­haf­te Konkurrenz machen muss und dass er auch die öffent­lich-recht­li­chen Sender in der Hörerbeliebtheit hin­ter sich las­sen muss, um sich selbst zu recht­fer­ti­gen. Das kann man im Augenblick sehr schön bei der Diskussion um den Radiogroup-Sender Antenne Frankfurt sehen, in der unter ande­rem auch völ­lig absur­de Forderungen nach Ü-Wagen-Einsätzen gestellt wer­den. Ein Lokalradio kann es sich über­haupt nicht leis­ten, eine so hoch­prei­si­ge Technik vor­zu­hal­ten. Das muss man als Macher aus­hal­ten und dann kann macht Lokalradio auch in einem klei­nen Sendegebiet rie­si­gen Spaß.

Disclaimer: Jörn Schaar hat bei einem Sender der Radiogroup sein Volontariat absol­viert, war danach für meh­re­re Jahre frei­er Mitarbeiter sowohl bei del­ta radio als auch in der Nachrichtenredaktion der Regiocast und ver­dient sein Geld mitt­ler­wei­le beim NDR. Seine Meinung zum Thema hat jedoch nichts mit sei­ner frü­he­ren oder jet­zi­gen Beschäftigung zu tun.

Dieser Artikel ist zuerst in Jörn Schaars Blog erschie­nen.

Von:

Jörn Schaar ist Blogger und freier Mitarbeiter beim Norddeutschen Rundfunk.

9 Gedanken zu “Lokalradio in Schleswig-Holstein: Mehr Vielfalt oder Sargnagel für die Etablierten?”:

  1. Thilo

    Mir ist ganz neu, dass RSH regio­na­le Inhalte hat. Für mich sind Privatradios irgend­wie nur Sender die ver­schie­de­ne Musikauswahl haben, unter­bro­chen durch Verkehrsfunk, ver­schie­de­ne Moderatoren und ver­schie­de­ne Frequenzen. Ansonsten abso­lut gleich­ge­rich­tet und ver­zicht­bar. Das aus­ge­rech­net die mit Inhalten argu­men­tie­ren ist ja lus­tig. Da kann ich dem Autor des Artikels nur zustim­men. Inhaltlich gibts mir weni­ge Sender, die auch bei Text irgend­was leis­ten. Ich fin­de da ja Dradio sehr leis­tungs­stark. War dann ganz erstaunt, als die mir mal erklär­ten wie wenig Geld die bekom­men im Vergleich zur ARD.

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  2. Christian

    Wir brau­chen Lokalradios, damit die Regiocast-Sender mal wie­der qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Hörfunk bie­ten. Dazu gehört aller­dings auch, sein Sendekonzept zu hin­ter­fra­gen und die Leute nicht ein­fach mit bil­li­gen Spielchen zu ködern. Relevante Informationen? Hintergrundinfos? Fehlanzeige.

    Liebe Politiker im Landtag, habt mal Eier in der Hose und gebt Frequenzen frei. Oder wie lan­ge sol­len Euch die Verlage noch auf der Nase her­um­tan­zen?

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  4. Sonnig

    Gute Analyse! Aber eini­ge Anmerkungen habe ich dann doch:
    Der von ZAPP so auf­ge­bausch­te Beitrag über Regelverletzung hat sich längst über­holt. Die Medienanstalt hat den Vorgang geprüft. Tatsächlich gab es die­sen Wasserrohrbruch (es gibt etli­che eides­statt­li­che Versicherungen von Karstadt-Mitarbeitern). Das erfährt dann natür­lich nie­mand vom NDR. Ob der Vorfall eine wich­ti­ge loka­le Meldung ist, sei dahin­ge­stellt, viel­leicht war ja sonst nichts los im Sendegebiet.
    Radio Herne ist nie in die Insolvenz gegan­gen oder ein­ge­stellt wor­den. Die Androhung war das, was sie heißt: Eine Drohung der Funke-Mediengruppe, um im kom­pli­zier­ten NRW-Modell Einsparungen vor­neh­men zu kön­nen (hat übri­gens nicht geklappt, da ande­re poten­zi­el­le Betreiber auf den Plan getre­ten sind). Einen neu­en Mitspieler im nahe­zu 100%-Monopolmarkt hät­ten sie auch nie zuge­las­sen.
    Einen Vergleich mit ande­ren Ländern fin­de ich übri­gens gar nicht abwe­gig. Auch Dänemark hat so vie­le Sender wie ganz Deutschland (300) bei noch nicht ein­mal einem Zehntel der Bevölkerung. So Potenziale zu sehen, fin­de ich durch­aus zuläs­sig.

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  5. Tobias Hochscherf

    Was ich an der Diskussion — und dem ansons­ten nuan­cier­ten Beitrag hier im Blog nicht ver­ste­he — ist, war­um es immer um kom­mer­zi­el­le Lokalradios geht. Haben wir nicht wirk­lich genug for­ma­tier­tes Popradio? Es gibt doch die Alternative der nicht-kom­mer­zi­el­len Lokalradios. Die Offenen Kanäle sind doch ein gutes Beispiel für Bürgerbeteiligung und Meinungsfreiheit. Außerdem ste­hen die­se nicht in Konkurrenz zu Regiocast et al. Warum wird nicht ernst­haft dar­über gespro­chen, die Offenen Kanäle aus­zu­bau­en, statt neue CHR-Sender für Sylt und ande­re Gegenden zu eta­blie­ren.

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  6. Jörn

    Ich kann das nur für mich per­sön­lich beant­wor­ten: Ich habe noch kein nicht-kom­mer­zi­el­les Radio gehört, dem ich wirk­lich gern über einen län­ge­ren Zeitraum zuge­hört hät­te. Das mag man „Berufskrankheit” nen­nen, aber in nicht-kom­mer­zi­el­len Programmen höre ich ein­fach zu vie­le Fehler, als das es für mich erträg­lich wäre. Ich ten­die­re da sehr stark zur Fremdscham und muss schnell aus- oder umschal­ten.

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  7. Tobias Hochscherf

    Dann schla­ge ich vor am Donnerstag von 8 – 10 Uhr mal Campus RadioAktiv auf Kiel FM zu hören. Die Qualität der nicht-kom­mer­zi­el­len Lokalradios ist aber sicher­lich ver­bes­se­rungs­wür­dig. Hier sind aber auch Ehrentamtliche Profis gefragt, mal Workshops anzu­bie­ten. Noch eine häre­ti­sche Frage: Gbt es gute Beispiele für anspruchs­vol­le pri­va­te Lokalradios?

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  8. Jörn

    Die gibt es durch­aus: Bei den NRW-Lokalradios wird gutes Programm gemacht, auch wenn die nur einen klei­nen Teil ihrer Sendezeit selbst bestrei­ten. Bei den Vollprogrammen lohnt sich ein Blick nach Bayern, zum Beispiel nach Nürnberg, München oder bei den klei­ne­ren Städten bei­spiels­wei­se Bamberg, Regensburg oder Ausgburg.

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  9. Jens

    Sind wir mal ganz ehr­lich:
    R.SH hat sich von einem inno­va­ti­ven Sender der 80er Jahre mit ana­lo­ger Sendetechnik zu einem digi­ta­len Dudelfunk der abso­lu­ten „Extraklasse” gemau­sert. Digitale betrifft eigent­lich mehr die Beschreibung von „eins und null“ in der Technik – bei hier hier mehr die Vermutung nahe­liegt, die Nullen sind auf dem Mischpult in die Verwaltung gewan­dert. Nur so lässt sich die star­re, wenig fle­xi­ble Haltung gegen­über den Wünschen der Hörer erklä­ren.
    Das, was den leid­ge­plag­ten Ohren ver­blei­ben­der Zuhörer prä­sen­tiert wird, grenzt mit dem „Kleinen Nils“, dem „lus­ti­gen Morning-Duo“ und dem Satz „wir sind Schleswig-Holstein“ — der fast in jeder Moderation bis zu 3 mal wie aus einer Gebetsmühle her­un­ter­ge­lei­ert wird – an akus­ti­scher Körperverletzung. Hätte der Hörer nicht die Wahl, den Notausschalter in Form des „OFF“ Knopfes sei­nes Radioempfängers zu betä­ti­gen – wäre die Körperverletzung gänz­lich in den Ohren voll­endet.
    Diese bewusst in Schleswig-Holstein klein gehal­te­ne Vielfalt der Sender stellt den noch aktiv hören­den Konsumenten vor die Wahl der ver­ba­len Verblödung auf FM oder dem eige­nen Musikprogramm auf USB-Stick oder Smartphone. Wer jetzt noch aktiv Radio aus dem Äther hören möch­te kann zur eige­nen Verteidigung sei­ner Hörgewohnheiten auf even­tu­ell vor­han­de­ne, sado­ma­so­chis­ti­sche Neigungen ver­wei­sen oder hat den Inhalt die­ser Sender bis­her nicht ver­stan­den.
    Die Moderationen der Sender — wobei die Vielfalt auf die bis­her bekann­ten Dudelsender begrenzt ist — gleicht einem ver­ba­len Einheitsbrei, des­sen Intelligenz nicht grö­ßer als die Warteschleife einer Telefonanlage ist. Die hier prä­sen­tier­ten Nachtrichten in einem akus­ti­schen Bett aus „umba-umba“ und „tsching-bum-tsching-bum“ gehen erfah­rungs­ge­mäß den meis­ten Hören auf den Geist – wobei sich die nur wenigs­ten Konsumenten offi­zi­ell dazu äußern. Es ist ein­fa­cher, den Kasten abzu­schal­ten und sein eige­nes, auf USB-Stick mit­ge­brach­tes Programm zu hören. Und genau die­ses Verhalten ist der blan­ke Horror für jeden Radiosender. Das Programm in sei­ner Vielfalt ist schlicht­weg uner­träg­lich gewor­den.
    Vermehrt stellt sich der Hörer die Frage, ob die Musikrotation bewusst so gewählt — oder ein uner­kann­ter Softwarefehler in der ohne­hin schon maß­los über­teu­er­ten Sendetechnik steckt.
    Denn genau hier geben die Sender nach Empfehlung der Systemhäuser immense Summen für über­flüs­si­ges, kaum sinn­voll anzu­se­hen­des Studioequipment aus — das nur dem Verkäufer eine rosi­ge Bilanz beschert. In Studios, die mehr einem Büro glei­chen, brül­len Moderatoren in Headsets ohne jeg­li­ches Gefühl für Mikrofonie, Besprechung und Arbeit mit der eige­nen Stimme. Lauter, sat­ter – Schriller. Mehr geht nicht, betrach­tet man den akus­ti­schen Sondermüll, der sich aus Digitalpult, Headset und über­flüs­si­gem Soundprozessing ergibt.
    Aus eige­nen Erfahrungen kann ich mit Gewissen behaup­ten, das weit über 50% der ver­wen­de­ten, tech­ni­schen Infrastruktur eines Senders über­flüs­si­ge Kapitalvernichtung ist. Zumal dann, wenn wenn für maß­los über­teu­er­te Sendesoftware und Hardwarekomponenten die ohne­hin auf Minimum berech­ne­ten Finanzmittel ver­wen­det wer­den.
    In einem Konglomerat aus prak­ti­scher Unfähigkeit lei­ten­der Angestellter und den emp­foh­le­nen Ausstattungsmerkmalen eines Senders ver­blei­ben kaum noch Finanzmittel, um wich­ti­ge Personalposten zur Charakterisierung eines Senders zu beset­zen.
    Wen wun­dert es dann, wenn Nachrichten von stot­tern­den Volontären und zuge­kauf­ten Agenturen zur all­ge­mei­nen Abwertung der Sendequalität her­an­ge­zo­gen wer­den.
     
    In die­sem Kontext befürch­ten die ein­ge­ses­se­nen Platzhirsche zu Recht ganz mas­si­ve Konkurrenz durch neue, inno­va­ti­ve Anbieter. Diese wer­den erfah­rungs­ge­mäß mit weni­ger Verwaltungsaufwand, neu­en Ideen und schlan­ker Aufstellung den Markt bewe­gen.
     

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