Sommerakademie 2012 des ULD diskutiert über Soziale Netzwerke

Ein weit ver­brei­te­ter und manch­mal trotz bes­se­ren Wissens gern wei­ter breit getre­te­ner Irrtum ist die Behauptung, das Wort „sozial“ in „Sozialen Netzwerken“ wie zum Beispiel Facebook, Twitter, Google+ bedeute soviel wie für­sorg­lich, um das Wohl ande­rer besorgt, altru­is­tisch.

Denkt man ein paar Minuten län­ger über Facebook und Co nach, dann erkennt man, dass des­sen Sinn den ursprüng­li­chen Kern des Wortes sozial (gemein­sam, ver­bun­den) abbil­det: Diese Netzwerke wol­len es ihren Nutzern — mehr oder weni­ger wert­frei – ermög­li­chen, sich unter­ein­an­der aus­zu­tau­schen. Das kann man „im Internet“ seit sei­ner Erfindung prima, es ist näm­lich des­sen tie­fer Sinn: mög­lichst rei­bungs­lose Kommunikation, gele­gent­lich auch Interaktion und Kooperation.

Das aus Sicht des Datenschutzes Nachdenkenswerte sind nicht die sozia­len Netzwerke an sich son­dern die heut­zu­tage mög­li­che Abbildung von Soziogrammen der Nutzern in Verbindung mit der wirt­schaft­lich moti­vier­ten Ausleuchtung des „Sozialen Graphen“, etwa indem mög­lichst attrak­tive (im Sinne des Anbieters) Werbung geschal­tet wird. Das Auge der Datenschützer rich­tet sich also nicht auf das Ermöglichen sozia­ler Verknüpfung son­dern auf das Ausleuchten des „Sozialen Graphen“ durch den Anbieter der Plattform. Denn die Sammlung oder Auswertung sol­cher Datenmengen unter­liegt, von Land zu Land unter­schied­li­chen, daten­schutz­recht­li­chen Regeln. Ein mög­li­cher Verstoß gegen in einem Land beste­hende daten­schutz­recht­li­che Regeln ist des­halb – nun ja – ein mög­li­cher Verstoß gegen in einem Land beste­hende daten­schutz­recht­li­che Regeln. Aber sicher keine Aussage dar­über, ob ein Netzwerke nun sozial, sozia­ler oder aso­zial ist.

Das ULD negiert, sicher bes­se­ren Wissens, die­sen Zusammenhang, geheim­nist eine andere Bedeutung in das Wort „sozial“ und über­schreibt seine dies­jäh­rige Sommerakademie mit der unsin­ni­gen Behauptung „Sozialere Netzwerke im Internet − durch Datenschutz“.

Das muss einen nicht abschre­cken. Die Veranstaltung scheint span­nend zu wer­den. Die Anmeldung erfolgt online.

Am Montag, den 27. August 2012, trifft man sich um 08.30 Uhr in einem Kieler Hotel in der Raiffeisenstraße 2. In der breit ange­leg­ten Eröffnungsphase ver­spre­chen unter­schied­li­che Referenten inter­es­san­ten Input:

  • Ministerpräsident Torsten Albig wird über „Facebook zwi­schen Kommunikationsbedarf und Datenschutz“ spre­chen und sich dabei (erst­mals?) posi­tio­nie­ren müs­sen in dem Streit zwi­schen ULD und Landesregierung über die „staat­li­che“ Nutzung von Facebook
  • Dr. Nina Haferkamp, Juniorprofessorin am Institut für Kommunikationswissenschaft an der Technische Universität Dresden (hier ein Interview des Flurfunk Dresden mit ihr ) refe­riert über Digitale Communities — sozi­al­psy­cho­lo­gisch gesehen
  • Klaus Müller, frü­her mal grü­ner Minister in Kiel und heute Vorstand der Verbraucherzentrale NRW e. V, wägt ab: Social Communities Nutzen und Fluch für Verbraucher.
  • Dr. Gunnar Bender, Director Public Policy bei Facebook Deutschland betrach­tet Facebook — zwi­schen Medienkompetenz und Datenschutz
  • Das grüne Mitglied des Europäischen Parlaments, Jan Philipp Albrecht, in Brüssel Mitglied im Ausschuss für bür­ger­li­che Freiheiten/​Rechtsausschuss, spricht über Social Communities in der Europäischen Datenschutz-​​Grundverordnung

Unter der Moderation, der stell­ver­tre­ten­den Landesbeauftragten für Datenschutz Schleswig-​​Holstein, Marit Hansen, wer­den ab 11.00 auf Podium Jan Philipp Albrecht, Dr. Gunnar Bender, Prof. Dr. Nina Haferkamp, Klaus Müller und Max Schrems von europe-v-facebook.org (Öster­rei­chi­scher Datenschutzaktivist, der nach Meinung der Süddeutschen Zeitung Facebook nervt) diskutieren.

Nach der Mittagspause gibt es 10 span­nende Workshops in zwei Blöcken, die von Mitarbeitern des ULD mode­riert und refe­riert werden.

Block 1

  • Praktische Auswirkungen der Nutzung sozia­ler Medien,
  • Öffent­li­che Stellen und soziale Netzwerke − geht das?
  • „Wir müs­sen da rein“ − was Unternehmen bei der Eigenpräsentation in sozia­len Netzwerken beach­ten müssen
  • Soziale Netzwerke − Ermittlungshelfer für die Polizei?
  • Facebook − Datenschutzstrategien für Nutzende

Block 2

  • Verteilte soziale Netzwerke − Technik, Chancen und Risiken
  • Attribut-​​basierte Credentials im Praxistext − mehr Datenschutz im sozia­len Netzwerk einer schwe­di­schen Schule
  • „Wir sind drin. Und nun?“ − Nutzung von Social Media durch, für und gegen Beschäftigte
  • Gesichtserkennung, Friendfinding, Social-​​Plugins, Schattenprofile − Nutzung von Daten Dritter durch Social Media-​​Dienste
  • Liquid Democracy und Online-​​Beteiligung − wie es die Datenschützer gestal­ten würden

Um 16.00 Uhr bin­det dann ein poli­tisch besetz­tes Podium die Veranstaltung ab. Unter der Moderation von Dr. Thilo Weichert dis­ku­tie­ren über „Social Communities in Schleswig-​​Holstein“:

 

Ich hätte mir noch einen Vertreter der IHK (mit der das ULD wegen Facebook bekannt­lich im Clinch liegtoder des Lorenz-​​von-​​Stein-​​Institutes gewünscht. Aber unab­hän­gig davon sollte das ein inter­es­san­ter Tag werden.

Über Swen Wacker

Swen Wacker, 49, im Herzen Kieler, wohnt in Lüneburg, arbeitet in Hamburg.
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