Wer will aus Schleswig-Holstein in den Bundestag?

Mit der Landeswahlkonferenz der SPD am 28. April haben alle im Landtag oder für Schleswig-Holstein im Bundestag vertretenen Parteien ihre Kandidatinnen und Kandidaten für den Bundestag aufgestellt (mit Ausnahme des SSW, der nicht antritt). 

Gleich vier Parteien hatten an demselben Wochenende Mitte März ihre Listen aufgestellt: die CDU, FDP, Grüne und die Piraten. Die Linke hatte ihre Liste am 15. April bestimmt, die SPD jetzt am 28. April. Gleichzeitig haben alle Parteien in Wahlkreiskonferenzen ihre Kandidatinnen und Kandidaten für die elf Wahlkreise bestimmt. Hier werden im folgenden nur die zwei Volksparteien CDU und SPD berücksichtigt, da bei beiden Parteien traditionell die elf Direktkandidatinnen und -kandidaten auch die Landesliste auf den ersten elf Plätzen anführen.

Die Ausgangslage

 Die Bundestagswahl 2009 hatte in Schleswig-Holstein die folgenden Ergebnisse, wie in der Tabelle dargestellt. Die CDU gewann ein zusätzliches Überhangmandat, ingesamt sitzen 24 MdB aus Schleswig-Holstein im Bundestag, bei 11 Wahlkreisen.

Partei

Zweitstimmen 2009

Direktmandate

Proporzmandate

CDU

518,366

9

8

SPD

430,614

2

6

Grüne

203,657

0

3

FDP

261,804

0

4

Linke

127,216

0

 2

Zur Zeit sitzen im Bundestag:

  • CDU: Dr. Johann Wadephul (Platz 1, 1963, Molfsee), Dr. Ole Schröder (Platz 2, 1971, Pinneberg), Wolfgang Börnsen (Platz 4, 1942, Bönstrup), Gero Storjohann (Platz 5, 1958, Seth), Ingbert Liebing (Platz 7, 1963, Sylt), Dr. Rolf Koschorrek (Platz 8, 1956, Bad Bramstedt), Ingo Gädechens (Platz 9, 1960, Fehmarn), Dr. Philipp Murmann (Platz 10, 1964, Heikendorf), Norbert Brackmann (Platz 11, 1954, Lauenburg/Elbe). Bei der CDU zog die Liste wegen des Überhangsmandats überhaupt nicht, die beiden Bewerberinnen in Kiel und Lübeck kamen daher nicht zum Zug.
  • SPD: Dr. Ernst Dieter Rossmann (Platz 1, 1951, Elmshorn), Bettina Hagedorn (Plat 2, 1955, Kasseedorf), Franz Thönnes (Platz 3, 1954, Ammersbek), Gabriele Hiller-Ohm (Platz 4, 1953, Lübeck), Sönke Rix (Platz 5, 1975, Eckernförde), Dr. Hans Peter Bartels (Platz 6, 1961, Kiel). Gabriele Hiller-Ohm aus Lübeck und Dr. Hans Peter Bartels aus Kiel gewannen ihre Wahlkreise direkt.
  • FDP: Jürgen Koppelin (Platz 1, 1945, Bad Bramstedt), Dr. Christel Happach-Kasan (Platz 2, 1950, Bäk), Sebastian Blumenthal (Platz 3, 1974, Kiel), Christine Aschenberg-Dugnus (Platz 4, 1959, Strande)
  • Grüne: Dr. Konstantin von Notz (Platz 2, 1971, Mölln), Dr. Valerie Wilms (Platz 3, 1954, Wedel), Arfst Wagner (Platz 4, 1954, Tetenhusen). Bei den Grünen ist Ingrid Nestle, die auf Platz 1 war, aus dem Bundestag ausgeschieden, um Staatssekretärin in  der Landesregierung von Torsten Albig zu werden.
  • Die Linke: Cornelia Möhring (Platz 1, 1960, Giekau Gottesgabe), Raju Sharma (Platz 2, 1964, Eckernförde)

Christlich-Demokratische Union

Von den neun Abgeordneten hatte nur Wolfgang Börnsen aus Schleswig-Flensburg erklärt, ausscheiden zu wollen, was dann zur unglücklichen Kandidatur von Jost de Jager im Wahlkreis 1 führte. Er konnte sich nur knapp gegen Dr. Sabine Sütterlin-Waack durchsetzen, die nach seinem Rücktritt als CDU-Landesvorsitzender schließlich dort auch aufgestellt wurde.

In einem anderen Wahlkreis gab es eine weitere Überraschung: Dr. Ralf Koschorrek aus Bad Bramstedt wollte im Wahlkreis 3 wieder antreten, wurde aber nicht wieder aufgestellt. Gegen ihn setzte sich Mark Helfrich aus Itzehoe durch.

Alle sieben weiteren amtierenden Bundestagsabgeordneten wurden ohne Probleme wieder aufgestellt. In den beiden von der CDU nicht besetzten Wahlkreisen, Kiel und Lübeck, kam es zu folgenden Ergebnissen:

  • In Kiel konnte sich der CDU-Kreisvorsitzende Thomas Stritzl gegen eine Mitbewerberin durchsetzen.
  • In Lübeck war zwei Jahrzehnte lang Anke Eymer erfolglos von der CDU ins Rennen geschickt worden. Diesmal kandidierte nun die ehemalige Hamburger Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig. Die Lübeckerin wurde ohne Gegenkandidatin gewählt.

Am 16. März stimmte die Landesvertreterversammlung über die Landesliste ab, die vom neugewählten Landesvorsitzenden Reimer Böge eingebracht wurde. Bei der CDU ist es traditionell üblich, dass auf Platz 3 eine Frau gesetzt wird, was auch diesmal geschah. Es gab keine Kampfkandidaturen.

Platz

Name

Wahlkreis

1

Dr. Johann Wadephul

WK 4, Rendsburg-Eckernförde

2

Dr. Ole Schröder

WK 7, Pinneberg

3

Alexandra Dinges-Dierig

WK 11, Lübeck

4

Gero Storjohann

WK 8, Segeberg / Stormarn-Mitte

5

Ingbert Liebing

WK 2 Nordfriesland / Dithmarschen-Nord

6

Dr. Sabine Sütterlin-Waack

WK 1 Flensburg-Schleswig

7

Ingo Gädechens

WK 9 Ostholstein

8

Dr. Philipp Murmann

WK 6 Plön / Neumünster

9

Norbert Brackmann

WK 10 Hzgt. Lauenburg / Stormarn-Süd

10

Thomas Stritzl

WK 5 Kiel

11

Mark Helfrich

WK 3 Steinburg / Dithm. Süd

(Quellen: Parteiseite, Medienbericht)

Sozialdemokratische Partei Deutschlands

Von den sechs Abgeordneten wollen alle wieder antreten, die auch alle in ihren Wahlkreisen – ohne Kampfkandidaturen – wieder aufgestellt wurden. In den fünf zur Zeit von der SPD nicht besetzten Wahlkreisen gab es teilweise zwei bis drei Kandidierende, wobei sich diesmal auffällig viele Frauen durchsetzten:

  • im Wahlkreis 1 (Flensburg-Schleswig) setzte sich Dirk Peddinghaus gegen zwei Mitbewerber und eine Mitbewerberin durch.
  • im Wahlkreis 2 (Nordfriesland / Dithm.-Nord) gab es mit Matthias Ilgen nur einen Bewerber.
  • im Wahlkreis 3 (Steinburg / Dithm.-Süd) setzte sich Dr. Karin Thissen gegen zwei Mitbewerber durch.
  • im Wahlkreis 6 (Plön / Neumünster) setze sich Dr. Birgit Malecha-Nissen gegen zwei Mitbewerber durch.
  • im Wahlkreis 10 (Hzgt. Lauenburg / Stormarn-Süd) setzte sich Dr. Nina Scheer gegen einen Mitbewerber und eine Mitbewerberin durch.

Da diesmal nach dem Parteitagsbeschluss im Dezember 2011 das Reißverschlussverfahren (d.h. es wechseln sich Mann und Frau ab) bei der Liste konsequent angewandt wurde, war zu erwarten, dass der Listenvorschlag diesmal in einigen Aspekten abweichen würde. Auf der Landeswahlkonferenz am 28. April wurde der Listenvorschlag des Landesvorstands durch den Landesvorsitzenden Dr. Ralf Stegner eingebracht. Es gab zwei Kampfkandidaturen, die jedoch erfolglos waren.

 

Platz

Name

Wahlkreis

1

Dr. Ernst Dieter Rossmann

WK 7, Pinneberg

2

Bettina Hagedorn

WK 9, Ostholstein

3

Sönke Rix

WK 3, Rendsburg-Eckernförde

4

Gabriele Hiller-Ohm

WK 11, Lübeck

5

Franz Thönnes

WK 8 Segeberg / Stormarn-Mitte

6

Dr. Nina Scheer

WK 10 Hzgt. Lauenburg / Stormarn-Süd

7

Dr. Hans-Peter Bartels

WK 5 Kiel

8

Dr. Birgit Malecha-Nissen

WK 6 Plön / Neumünster

9

Matthias Ilgen

WK 2 Nordfriesland / Dithm. Nord

10

Dr. Karin Thissen

WK 3 Steinburg / Dithm. Süd

11

Dirk Peddinghaus

WK 1 Flensburg / Schleswig

 

(Quellen: Medienbericht, Parteiseite)

Freie Demokratische Partei

Bei der FDP hatte Jürgen Koppelin seinen Rückzug erklärt, während die drei verbliebenen MdB wieder in den Bundestag wollten. Wolfgang Kubicki, der FDP-Landtagsfraktionsvorsitzende, hatte seinen Hut in den Ring geworfen und ging nach seinem Erfolg auf dem FDP-Bundesparteitag gestärkt in die Landesvertreterversammlung am 16. März und wurde mit einem starken Ergebnis zum Spitzenkandidaten auf der Landesliste gewählt. Um alle weiteren aussichtsreichen Plätze gab es Kampfkandidaturen:

  • um Platz 2 bemühten sich u.a. die drei Bundesabgeordneten, die 2009 auf den Plätzen 2-4 kandidiert hatten: Dr. Christel Happach-Kasan, Sebastian Blumenthal und Dr. Christine Aschenberg-Dugnus. Jedoch gab es hier ein Comeback des früheren Landtagsabgeordneten und Verlagsmanagers Bernd Buchholz aus Ahrensburg, der sich gegen alle drei durchsetzen konnte.
  • auf Platz 3 setzte sich dann Sebastian Blumenthal durch, Platz 4 gewann Dr. Christel Happach-Kasan. Auf Platz 5 dann Dr. Christine Aschenberg-Dugnus. Alle mussten sich in Kampfkandidaturen, teilweise gegeneinander, durchsetzen.

(Quelle: Parteiseite, Medienbericht)

Bündnis 90/ die Grünen

Auch bei den Grünen wollten alle drei im Bundestag vertretenen MdB wieder antreten. Außerdem hatten die Landesvorsitzende Marlene Löhr und die frühere Landtagsabgeordnete Luise Amtsberg ihre Kandidatur zum Bundestag angekündigt. Auf dem Landesparteitag am 16. März wurde die Landesliste gewählt. Um alle aussichtsreichen Plätze gab es Kampfkandidaturen. Bei den Grünen herrscht ein Reißverschlussverfahren, das zudem vorschreibt, Platz 1 mit einer Frau zu besetzen.

  • Die aussichtsreichsten Kandidatinnen auf Platz 1 waren Luise Amtsberg und die jetzige Bundestagsabgeordnete Dr. Valerie Wilms. Amtsberg konnte sich durchsetzen.
  • Auf Platz 2 trat der Bundestagsabgeordnete Dr. Konstantin von Notz wieder an. Er konnte sich gegen zwei Mitbewerber durchsetzen.
  • Auf Platz 3 trat dann wiederum Dr. Valerie Wilms auf ihrem alten Listenplatz an, wo sie von der Landesvorsitzenden Marlene Löhr herausgefordert wurde. Wilms konnte sich durchsetzen.
  • Auf Platz 4 setzte sich Arfst Wagner durch, der erst letztes Jahr in den Bundestag nachgerückt war.
  • Auf (dem relativ aussichtlosen) Platz 5 folgt dann Marlene Löhr, die gleichzeitig mit ihrer Kandidatur zum Bundestag ihr Ausscheiden aus dem Amt der Landesvorsitzenden angekündigt hatte.

(Quellen: Parteiseite, Medienbericht)

Die LINKE

Auch hier wollten beide Abgeordnete wieder antreten, Cornelia Möhring und Raju Sharma. Sharma, der auch Bundesschatzmeister der Partei ist, wollte jedoch auf Platz 1 kandidieren, konnte sich auf einer Landesvertretersammlung am 15. April jedoch nicht durchsetzen, und verzichtete auf weitere Kandidaturen. Er scheidet somit im Herbst aus dem Bundestag aus. Auf Platz 2 folgt der Neuling Marcel Mansouri.

(Quelle)

Die Piraten

Die Piraten sind bis jetzt nicht im Bundestag vertreten. Der Landtagsfraktionsvorsitzende Dr. Patrick Breyer hatte eine Kandidatur für den Bundestag angekündigt, konnte sich auf der zweitägigen Aufstellungsversammlung am 16. und 17. März jedoch nicht gegen Dr. Heiko Schulze (Platz 1, aus Kiel), den ehrenamtlichen Generalsekretär der Landespartei, und Oliver Grube (Platz 2, aus Henstedt-Ulzburg) durchsetzen, woraufhin er auf eine Kandidatur zur Landesliste verzichtete. Auf Platz 3 folgt Oliver Sippel von der Insel Sylt. 

 (Quellen: Parteiseite, Medienbericht)

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