Können Volkshochschulen Kultur? Ein Gastkommentar aus Dithmarschen von Thomas Engel

Von | 27. Februar 2015
Foto: A.Reinkober©pixelio.de

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Gleich nach Veröffentlichung unseres Beitrages zur Vergabe der ersten Kulturknoten meldete sich Kulturmanager Thomas Engel vom Verein K|9 Koordination für regionale Kultur in Kommentaren zu Wort. Daraus entwickelte sich ein Dialog, in den sich zuletzt Guido Froese einschaltete, der Leiter des Nordkollegs Rendsburg. In seinem Gastbeitrag nimmt Thomas Engel direkt auf diesen Kommentar Bezug.

Aus Anlaß der Einrichtung eines zweiten Kulturknotenpunktes heute in Meldorf veröffentlichen wir ihn hier als Gastkommentar in einem eigenen Beitrag.

Volkshochschulen „sind Nr. 1 der Erwachsenenbildung. Man kann es nicht oft genug sagen und begrei­fen” (Werkbuch VHS 2020, S. 39). Und „Vielfalt als Alleinstellungsmerkmal ist eine ein­fa­che Lösung, um sich nicht zu redu­zie­ren. Aber Imagebildung braucht Reduktion. Vielfalt ist kein Profil, son­dern Mutlosigkeit” (ebenda, S. 25). Die Konzentration der VHS auf ihre Kernkompetenz der Erwachsenenbildung — klingt doch gut. Allerdings suchen Volkshochschulen stän­dig und expan­siv nach neuen Angebotsfeldern und sind auch schon mal als Motoren eines Verdrängungswettbewerbs unter­wegs. Ein Leserbrief aus den aktu­el­len Husumer Nachrichten sieht dies kri­tisch und beklagt sich über die ört­li­chen VHS-​​Angebote „Disco-​​Fox” und „Golfspielen”. Damit „tritt sie in Konkurrenz zu Angeboten von Sportvereinen oder Tanzschule, was nicht Aufgabe von Volkshochschulen sein kann” (HN Nr. 47 v. 25.2.15). — So ähn­lich ergeht es jetzt der regio­na­len Kultur- und Kreativszene, wenn auch ihre Kompetenzfelder fortan von Volkshochschulen als KulturKnoten koor­di­niert sein sollen.

Kritisch darf ebenso das Nordkolleg-​​Szenario im Rendsburger Entwurf zur aktu­el­len KulturKnoten-​​Diskussion betrach­tet wer­den. Weder wer­den die Verdienste des 1921 als Heimvolkshochschule gegrün­de­ten Nordkollegs als her­vor­ra­gende Bildungseinrichtung und sei­ner über­ra­gen­den Bedeutung für Schleswig-​​Holstein in Abrede gestellt, noch wer­den die „emp­find­li­chen Kürzungen“ im Bildungsbereich für die VHSen als tat­säch­lich exis­ten­zi­ell ange­zwei­felt. Doch aus Sicht der Kreativen oder einer Kultur-​​Institution ist die chro­ni­sche Unterfinanzierung täg­lich Brot – sowohl was die insti­tu­tio­nelle als auch die pro­jekt­be­zo­gene Förderung betrifft. Ein Gegeneinander-​​Ausspielen von Bildungs- und Kulturfinanzierungen, von Bildungs- und Kultureinrichtungen wäre jetzt in der Gemengelage poli­ti­scher Entscheidungen ganz unangebracht.

Wenn das Nordkolleg sich im Bereich kul­tu­rel­ler Aufgaben ver­dient gemacht hat und hier auf die ARS BALTICA ver­weist, sollte nicht über­se­hen wer­den, dass diese nach 20 Jahren „eige­nen Lebens” erst 2009 in Rendsburg ange­glie­dert wurde. Entstanden ist das Netzwerk ARS BALTICA sei­ner­zeit auf Initiative der Landesregierungen des Ostseeraums — für Schleswig-​​Holstein bekannt­lich per­so­ni­fi­ziert durch Björn Engholm. Entsprechend gut „vor­ge­bohrt” waren dann auch die „dicken Bretter” für spä­tere Aufgaben. Ganz anders dage­gen der Umgang mit der JAZZBALTICA  — 2002 gerade noch unter das Dach hoch ange­seh­ner Kulturexperten und Ideengeber des Schleswig-​​Holstein Musikfestivals geret­tet. „Kultur bei Kultur” und „Kultur durch Kultur” — starke Synergien ohne bil­dungs­po­li­ti­sche Verknotung. Niemand unter den Kultur- und Jazzkennern wünschte der JAZZBALTICA das Umfeld einer Volkshochschule —  zu sehr hätte man für die Musikveranstaltung den Charme und die Ausstrahlung eines Mittelstufenballs befürch­tet. Geht gar nicht. Fiktionales Gedankenspiel zwar, es zeigt aber, wie dem Risiko einer Trivialisierung der Kultur Tür und Tor geöff­net wer­den kann.

Der Qualitätsgarant für die Bildung von Kultur in der Region ist die Kultur– und Kreativszene selbst. Die KulturKnoten gehö­ren in deren Kultureinrichtungen unter Einbeziehung der regio­na­len Kulturschaffenden und nicht in eine Volkshochschule.

 

Hintergrund

Thomas Engel und Ingrid Ebinal vom Verein K|9 Koordination für regionale Kultur aus Itzehoe hatten sich in der Region sowie beim Ministerium für die Vergabe des Kulturknotenpunkt an ihre Initiative stark gemacht und ein umfangreiches Dossier (s.TOP 9) mit dem Antrag auf ideelle wie finanzielle Unterstützung beim Amt für Bildung der Stadt Itzehoe eingereicht. Stadtsoziologin Ebinal sowie ihr Verein K|9 sind seit Sommer 2014 Mitglied der Förderinitiative „AktivRegion Dithmarschen“ des Landes Schleswig-Holstein.

 

panama
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das; Abk. f. Panorama (griech.). Unter diesem Namen postet Daniela Mett vermischte Nachrichten aus der bewohnten Welt Schleswig-Holsteins. Die ausgebildete Magazinjournalistin berichtet frei und unabhängig. Sie hat sich in 28 Berufsjahren spezialisiert auf Reportagen und Interviews.

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