Wo wir stehen, wohin wir gehen - und wie die Anderen uns sehen

Von | 27. Oktober 2011

Disclaimer: Dieser Beitrag ent­hält per­sön­li­che Meinung des Autors. In einem Printmedium wür­de „Kommentar” dar­über ste­hen.

Harald Schmidt bezeich­ne­te Schleswig-Holstein vor kur­zem in sei­ner Focus-Kolumne so:
„Schleswig-Holstein besteht aus einer Wiese, zwei Autobahnen (eine Richtung Flensburg, eine Richtung Husum) und etli­chen Inseln. […] Ab 16 Uhr ist es dun­kel, im Sommer regnet´s durch.”

Die Frankfurter Rundschau und ande­re über­re­gio­na­le Zeitungen hin­ge­gen freu­ten sich augen­zwin­kernd über das Zitat Peter-Harry Carstensens auf den Dithmarscher Kohltagen, wo er sag­te, man kön­ne „stolz sein auf eine Region, die sol­che Kohlköpfe pro­du­ziert”.

Kurt Beck, Rheinland-Pfälzischer Ministerpräsident, nann­te Schleswig-Holstein schließ­lich den „ein­zi­gen Hemmschuh” (taz von heu­te, 27.10 auf S. 21) auf dem Weg zum Glücksspielstaatsvertrag.

Es wird die­ser Tage schein­bar viel gelacht und gepol­tert über SH. Die „Lolita-Affäre” wur­de in den Medien breit­ge­tre­ten, die Ablehnung des Glücksspielstaatsvertrages und des CCS-Gesetzes beklagt. In den Medien wird einer­seits ein etwas lächer­li­ches und pro­vin­zi­el­les Bild von uns gezeich­net, ande­rer­seits aber ist Schleswig-Holsteins Zustimmung bei wich­ti­gen Bundesratsentscheidungen und Verträgen uner­läss­lich. Viele der ande­ren Länderchefs füh­len sich auf den Schlips getre­ten, dass die­ses scheibar klei­ne Provinznest am Meer ihnen ins Lenkrad greift (oder auf die Bremse tritt). Gerade beim Glücksspielstaatsvertrag, wo alle 15 ande­ren Länder sich eini­gen konn­ten, steht Schleswig-Holstein allein da.

Heute nun beginnt die Ministerpräsidentenkonferenz in Lübeck, unter Schleswig-Holsteins und somit Peter Harry Carstensens Vorsitz.  Viele der wich­ti­gen Themen auf der Tagesordnung (Glücksspiel, Rundfunk, Bildung) wer­den heu­te erst­mal nach hin­ten rücken. Denn nach der gest­ri­gen Verkündung des Verteidigungsministeriums zahl­rei­che Standorte zu schlie­ßen, sind beson­ders die Chefs der west­li­chen Bundesländer in hel­ler Aufregung. Allein aus SH könn­ten bis zu 10.700 Soldaten abge­zo­gen wer­den. So wird bei­spiels­wei­se die Marineoffiziersschule das Flottenkommando (!!) von Glücksburg nach Rostock „ver­legt”. Für vie­le Kommunen bedeu­ten die Abzüge den finan­zi­el­len Kollaps.

Es bleibt daher noch etwas abzu­war­ten, ob Schleswig-Holstein sich beim umstrit­te­nen Glücksspielstaatsvertag wei­ter­hin durch­set­zen kann. Eine Blockadehaltung des vor­sit­zen­den Landes wür­de wahr­schein­lich einen schlech­ten Eindruck erwe­cken. Andererseits hat man den eh schon von uns, daher kann man sich nur wün­schen, dass PHC den Spagat hin­be­kommt und stand­haft bleibt. Ein juris­tisch anfecht­ba­rer Monopolistenvertrag, der wenig spä­ter vor dem EuGH schei­tern wür­de, bringt nie­man­dem etwas. Merkwürdig, dass gera­de die Kohlköpfe das als Einzige begrei­fen.

Von:

Ende 20, Politikwissenschaftler, Archäologe, Redakteur, Fotograf und Social Media Manager. Wohnt in Kiel, lebt im Internet, kommt aus Flensburg. Gehört keiner Partei an. Mag neben Politik und Medien alles was blinkt oder salzig schmeckt.

4 Gedanken zu “Wo wir stehen, wohin wir gehen - und wie die Anderen uns sehen”:

  1. Hauke

    Die Marineoffiziersschule befin­det sich nicht in Glücksburg und wird auch nicht nach Rostock ver­legt.

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  2. Sebastian Maas

    @hauke: stimmt. Ich mein­te das Flottenkommando. Danke für den Hinweis.

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  3. Andreas

    Bleibt zu hof­fen, dass die Aussage von Harald Schmidt („..im Sommer regnet’s durch..”) und die sons­ti­gen SH-Bashings bei den Touristen nicht hän­gen bleibt. Denn Kohlköpfe hin oder her — unser (nach­ge­wie­sen) struk­tur­ar­mes Bundesland braucht den Tourismus doch sehr. Gruss aus Schönhagen

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    1. Sebastian Maas Post author

      Da Schmidt selbst pas­sio­nier­ter Schleswig-Holstein Urlauber ist, macht er an ande­ren Stellen auch ger­ne Werbung für uns — ich mache mir da kei­ne Sorgen ;)

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