Bildungsstätten erste Kulturknoten Schleswig-Holsteins

Von | 5. Februar 2015

Seminarraum der Nordsee Akademie / Heimvolkshochschule Leck. Foto: Nordsee Akademie.

Mit einer Finanzspritze aus ihrem Kulturetat hat Schleswig-Holsteins Ministerin Anke Spoorendonk heu­te den ers­ten Kulturknotenpunkt fit gemacht zur Übernahme der kul­tu­rel­len Vernetzungsarbeit im Land. Ausgewählt wur­de die Nordsee-Akademie /​ Heimvolkshochschule Leck unter Leitung von Oke Sibbersen. Als Ansprechpartnerin für Kulturschaffende nann­te er Dr. Herle Forbrich.

Die Kulturwissenschaftlerin und pro­mo­vier­te Historikerin lei­tet Kurse und gibt Seminare an den drei Bildungsstätten des Deutschen Grenzvereins — am Scheersberg, der Akademie Sankelmark und Nordsee Akademie.

Wie das lan­des­blog im Oktober letz­ten Jahres berich­te­te, wer­den nach und nach in allen Regionen Schleswig-Holsteins soge­nann­te Kulturknotenpunkte ein­ge­rich­tet, die den vie­len Kultureinrichtungen im länd­li­chen Raum Unterstützung anbie­ten sol­len bei ihrem Kulturschaffen. Ihr Aufgabenspektrum umfasst die pro­fes­sio­nel­le Beratung, Förderung von Kooperationen, Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit sowie das Knüpfen von Kontakten zu den Kulturzentren des Landes.

Ausgeschrieben wur­den zuerst die Regionen Nordfriesland/​Nordschleswig sowie Dithmarschen/​Steinburg. Das Rennen mach­ten im Januar jeweils Mitgliedseinrichtungen des Landesverbandes der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins. So darf sich nach der Nordsee Akademie dem­nächst ein Bewerbungskonsortium aus dem Verein für Volkshochschulen in Dithmarschen und der Volkshochschule Brunsbüttel über einen Besuch der Ministerin freu­en.

Daran, dass breit auf­ge­stell­te, staat­lich geför­der­te Einrichtungen bei der Ausschreibung Pate gestan­den hat­te, bestand von Anfang an kein Zweifel. Voraussetzung für die Teilnahme an der Bewerbung als Kulturknotenpunkt waren neben der wirt­schaft­lich sta­bi­len Geschäftslage eine haupt­amt­lich besetz­te Geschäftsstelle. Auf Nachfrage bestä­tig­ten uns zwei in Nordfrieslands Szene gut ver­netz­te Kulturakteure, alle Vertreter der ihnen bekannn­ten Kultureinrichtungen schätz­ten den Aufwand für zu hoch und die zur Verfügung gestell­te Summe für zu gering ein. Keiner sah sich in der Lage, den Job zusätz­lich zur ohne­hin hohen Arbeitsbelastung auf sich zu neh­men.

Dass nun mit den zwei VHS-Mitgliedern aus­ge­rech­net Bildungs- und kei­ne Kultureinrichtungen für die nächs­ten fünf Jahre zu Landeskulturknoten gekürt wer­den, läßt Künstlerinnen wie Künstler, aber auch Kulturmanager an der Politik zwei­feln. In einem Kommentar zur Pressemeldung auf Kultur-Port macht Mitbewerber K9 Koordination für regio­na­le Kultur stell­ver­tre­tend für ande­re sei­nen Frust öffent­lich:

„(…) soll­te die im KulturDialog des Landes den Kulturschaffenden zuge­dach­te und knapp bemes­se­ne Ressource jetzt tat­säch­lich ver­braucht wer­den durch eine Fördermaßnahme für Bildungseinrichtungen — auf­ge­teilt zwi­schen dem Verein der Volkshochschulen für die Koordination und der VHS Brunsbüttel für das ope­ra­ti­ve Geschäft. Ist das die gewünsch­te Innovation für die Kultur im länd­li­chen Raum?”

panama
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das; Abk. f. Panorama (griech.). Unter diesem Namen postet Daniela Mett vermischte Nachrichten aus der bewohnten Welt des Nordens. Die ausgebildete Magazinjournalistin berichtet frei und unabhängig. Sie hat sich in 30 Berufsjahren spezialisiert auf Reportagen und Interviews - www.panama-sh.com.

7 Gedanken zu “Bildungsstätten erste Kulturknoten Schleswig-Holsteins”:

  1. Thomas Engel

    Können Volkshochschulen Kultur?

    Volkshochschulen kön­nen Bildung. Dafür sind sie erdacht — und wenigs­tens in den vor­lie­gen­den Fällen der jetzt begüns­tig­ten Kulturknotenpunkte in Nordfriesland/​Nordschleswig und Dithmarschen erfül­len die Volkshochschulen die­sen Auftrag auf wirk­lich respek­ta­blem Niveau. Aber kön­nen Volkshochschulen auch Kultur? Kultur aus dem Geist und Anspruch der Kulturschaffenden in der Region? Ministerin Spoorendonk scheint dies zu glau­ben, sonst hät­te sie nicht bei­de Kulturknotenpunkte ver­ge­ben an Mitgliedseinrichtungen des Landesverbandes der Volkshochschulen Schleswig-Holstein. Bewährte Kulturschaffende und Kulturnetzwerker unter den Bewerbern der Kreise Dithmarschen, Steinburg, Nordfriesland und Nordschleswig blie­ben unbe­rück­sich­tigt.

    Ist das die gewünsch­te Innovation für die Kultur im länd­li­chen Raum? Volkshochschulen sol­len fort­an die Interessen der Kreativen bün­deln und ver­mark­ten und sich als Motor der kul­tu­rel­len Entwicklung in der Region eta­blie­ren? Hier sind Bedenken und Sorge ange­bracht, führt doch die­ser Weg an den Erwartungen zahl­rei­cher Kulturschaffender, Kulturvereine und -Institutionen in der Region vor­bei. Leider ist dies die nüch­ter­ne Entzauberung eines vom Landesministerium pro­kla­mier­ten Fortschritts für die Kultur im länd­li­chen Raum. Kritisch zudem, soll­te die im KulturDialog des Landes den Kulturschaffenden zuge­dach­te und knapp bemes­se­ne Ressource jetzt tat­säch­lich ver­braucht wer­den durch eine Fördermaßnahme für Bildungseinrichtungen — wie in Dithmarschen auf­ge­teilt zwi­schen dem Verein der Volkshochschulen für die Koordination und der VHS Brunsbüttel für das ope­ra­ti­ve Geschäft.

    Allein didak­ti­sches Geschick der für die Volksbildung gegrün­de­ten Institute im Querschnitt des lebens­lan­gen Lernens qua­li­fi­ziert die­se nicht als ers­te Wahl für die Kultur in unse­rem Land — auch nicht „nur” für den länd­li­chen Raum. Dann könn­ten wir künf­tig die Volkshochschulen auch für reli­giö­se Aufgaben als Kirchen betrach­ten oder für die Lösung wirt­schaft­li­cher Kernprobleme auch zur Beratung der Landesregierung in Anspruch neh­men.

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    1. panama

      Mir ist beim kul­tur­po­li­ti­schen Abend im Landhaus damals klar gewor­den, dass nicht Institutionen son­dern Menschen mit Visionen das kul­tu­rel­le Leben einer Stadt, einer Region bele­ben. Alle drei Praxisbeispiele gin­gen auf Initiatoren zurück, die mit Leidenschaft bei der Sache waren. Sie konn­ten ande­re für ihre Idee begeis­tern und so Vieles auf unkon­ven­tio­nel­len Wegen in Gang set­zen für deren Umsetzung. Sie besa­ßen einen Draht zum Publikum eben­so wie zu Künstlern. Schon mög­lich, dass wir sol­che Menschen auch in Bildungsstätten fin­den.
      Demnach hielt ich spä­ter auch die Auswahlkriterien für falsch gesetzt. Es ist sicher von Vorteil, wenn eine funk­tio­nie­ren­de Infrastruktur vor­han­den ist, aber ich hal­te das nicht für aus­schlag­ge­bend. Sondern kom­mu­ni­ka­ti­ve Kompetenzen des Bewerbers. Vielleicht hät­te man sich bes­ser eini­ge Wochen in der Region umhö­ren sol­len, wem die Leute solch´ einen Job zutrau­en. Aber: Vielleicht bringt Frau Dr. Forbrich das alles mit? Ich ken­ne sie nicht! In den Interveiws, die ich zu die­sem Thema letz­tes Jahr führ­te, fiel ihr Name nicht.

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      1. Thomas Engel

        Kommunikative Kompetenz ist in der Tat von Vorteil gera­de in dem hier beschrie­be­nen Umfeld. Und ich bin sicher, dass auch Frau Dr. Forbrich hier­über ver­fügt. Es darf bei allem, was im Vorwege und jetzt bei Verkündung der Entscheidung zu den Kulturknotenpunkten gesagt wird, nicht etwa um eine Verunglimpfung der künf­tig für die neue Aufgabe ein­ge­setz­ten Akteure gehen. Sie kön­nen für die hier ange­wand­ten Auswahlkriterien der Politik wirk­lich nichts. Dennoch fühlt sich ein Großteil der Kulturschaffenden nicht gut auf­ge­ho­ben bei den Volkshochschulen, sieht deren gesell­schaft­li­chen Aufgaben an ganz ande­rer Stelle und möch­te sich auch nicht im Portfolio unter „Kultur+Gestalten” wie­der­fin­den. Im übri­gen ist eine sol­che Einordnung der Kulturschaffenden nicht in Einklang zu brin­gen mit der Aufbruchstimmung, in der zuletzt beim Abschlussplenum im Kieler Landeshaus der KulturDialog dis­ku­tiert wur­de. Es hät­te ein gro­ßer Wurf für die Kultur im länd­li­chen Raum wer­den kön­nen. Heraus kam die Ernüchterung kul­tur- und bil­dungs­po­li­ti­scher Anpassungen. Ein für die regio­na­le Kultur und deren Kreativkräfte gedach­ter neu­er Förderansatz wird als Zuschussprogramm für Volkshochschulen instru­men­ta­li­siert. So geht Politik.
        Die schon früh pro­gnos­ti­zier­te und jetzt in die Tat umge­setz­te Vergabepraxis zuun­guns­ten der sich in bei­den Regionen bewor­be­nen Kulturschaffenden und Netzwerker ist als Politikum zu wer­ten und liest sich fast schon wie aus dem Werkbuch zum Projekt „VHS 2020” zur „betei­li­gungs­ori­en­tier­ten Strategie- und Strukturentwicklung der schles­wig-hol­stei­ni­schen Volkshochschulen” (ja, das gibt es wirk­lich). Den Volkshochschulen geht es näm­lich nicht über­all gut. Die dro­hen­de Insolvenz in der Kreisstadt Itzehoe konn­te gera­de noch abge­wen­det wer­den. In die­sem Licht erschei­nen Zusatzeinnahmen aus der Kulturförderung durch­aus gele­gen, ist doch zudem eine gewis­se (auch bio­gra­fi­sche) Nähe der Entscheider in Kiel zum Landesverband der Volkshochschulen nicht zu über­se­hen. Dagegen kann dann auch die kom­mu­ni­ka­ti­ve Kompetenz der Kreativkräften in der Region nichts mehr aus­rich­ten.

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        1. panama

          Bereits beim Schreiben des Artikels erin­ner­te ich mich dar­an, in der Zeitung über stu­fen­wei­se Kürzungen der insti­tu­tio­nel­len Förderung bei den Bildungsstäten des Deutschen Grenzvereins gele­sen zu haben. Ich fand einen der zuletzt gele­se­nen Berichte wie­der: http://www.shz.de/lokales/nordfriesland-tageblatt/resolution-fuer-die-nordsee-akademie-id6469826.html.
          Nach den mage­ren Jahren erwar­tet der Deutsche Grenzverein erst­mals zusätz­li­che Mittel. Darüber freu­te sich beim Jahresempfang Jörg Dietrich Kamischke, des­sen Vorsitzender: http://www.shz.de/lokales/nordfriesland-tageblatt/resolution-fuer-die-nordsee-akademie-id6469826.html.
          Es gab Veränderungen bei der Zusammensetzung und Aufgabenverteilung in der Kulturabteilung des Ministerium. Dadurch hat sich der Führungsstil ver­än­dert. Auch der Kreis exter­ner Beraterinnen und Berater. Ob sich das posi­tiv auf die krea­ti­ve Szene im Land aus­wirkt, bleibt abzu­war­ten.
          Zusätzliche Mittel für die Kultur kön­nen nur von außen kom­men. Die Zusammenarbeit mit der Mercator-Stiftung aus Essen steht noch am Anfang. Mit den Dänen gibt es schon län­ger Kulturabkommen, wovon Kreative im Grenzgebiet pro­fi­tie­ren. Und EU-Mittel aus dem Ostseeanrainer-Aufbauprogramm könn­ten dem­nächst über die Bildungsstätten in die Region flie­ßen, allen vor­an das Nordkolleg Rendsburg. Deshalb wäre es sinn­voll, die am Leben zu hal­ten bis die Sache reif ist.

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          1. Thomas Engel

            Welche „Sache” soll „reif” wer­den? Verstehe auch nicht, aus wel­chem (Ostseeanrainer?)Programm Mittel über das Nordkolleg Rendsburg in die Region flie­ßen soll. Wissen die das? Es gibt euro­pa­weit Interreg-Programme, die poli­tisch wie auch von Aktionsbündnissen aller gesell­schaft­li­chen Interessengruppen bean­tragt wer­den kön­nen, sofern der grenz­über­grei­fen­de Aspekt und die Rahmenbedingungen erfüllt sind. Da kommt den Bildungseinrichtungen kei­ne her­aus­ra­gen­de Rolle zu.
            Aber dar­um geht es ja auch gar nicht. Es geht an die­ser Stelle anläss­lich der aktu­el­len Knotenvergabe um die Wahrnehmung und Förderung von Kultur im länd­li­chen Raum und deren Bedeutung für die Regionalentwicklung … und um die poli­ti­sche Kultur im Umgang mit der Kreativszene.
            Selbstredend sol­len Volkshochschulen rege teil­neh­men am öffent­li­chen Leben — sich ein­brin­gen da, wo sie Kompetenz auf­brin­gen für die Bildung. Deshalb ja auch die Ursprungsfrage, ob die denn Kultur wirk­lich kön­nen oder nur wol­len.
            Kulturschaffende mit ihren Netzwerkern hin­ge­gen kön­nen das. Diese „Sache” ist wirk­lich „reif”, dar­auf brau­chen wir nicht zu war­ten. Allerdings war­ten wir jetzt auf die anste­hen­de und über­aus span­nen­de Entscheidung, wer den Kulturknotenpunkt im Herzogtum Lauenburg aus­fül­len darf. Da soll es näm­lich im März los­ge­hen.

  2. panama

    Ich zitie­re aus den im Dezember ver­öf­fent­lich­ten „Kulturperspektiven” :

    „Zu den Kernen kul­tu­rel­ler Infrastruktur zäh­len für uns Bibliotheken, Museen, Archive, Theater und kul­tu­rel­le Bildungseinrichtungen (Volkshochschulen, Akademien und Musikschulen) sowie sozio­kul­tu­rel­le Zentren.” (25)

    „Um eine flä­chen­de­cken­de kul­tu­rel­le Infrastruktur zu för­dern, sol­len regio­na­le „kul­tu­rel­le Knotenpunkte“ unter Einbeziehung vor­han­de­ner Kultur- und Bildungseinrichtungen gebil­det wer­den. Deren Aufgabe ist ins­be­son­de­re die Förderung von Kooperation und Vernetzung auf regio­na­ler Ebene.” (32)

    „Wir ver­an­stal­ten eine regel­mä­ßi­ge Kulturkonferenz des Landes mit Akteuren und Vertreterinnen und Vertretern der regio­na­len Knotenpunkte, Verbände und Organisationen, die über kul­tur­po­li­ti­sche Entwicklungen berät. Besonders die Vernetzung mit ande­ren Bereichen wie Wissenschaft, Bildung, Soziales und Wirtschaft wer­den bei die­sen Konferenzen berück­sich­tigt.” (35)

    Das Nordkolleg Rendsburg ist zugleich Sitz des Sekretariats der Ostsee-Kulturinitiative Ars Baltica, mit Guido Froese als Vorsitzenden. Das Projekt One Baltic Sea Region lief 2013 aus. Im Aktionsplan für die Folgejahre spie­len Kultur und regio­na­le Identität eine gro­ße Rolle.

    Ich habe bei­des zusam­men gedacht, weil unse­re Kultur- und Europaministerin seit 2012 davon spricht, eine lang­fris­ti­ge Strategie ent­wi­ckeln zu wol­len — ich mei­ne, 2025 hat­te sie dabei avi­siert. Es geht ihr, mei­ner Ansicht nach, nicht die ein­zel­ne Region. Dafür wären die Kommunen zustän­dig. Sondern um das gesam­te Bundesland und des­sen Zukunft. „Darüber hin­aus müs­sen wir die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Dänemark, dem Ostseeraum und mit der Metropolregion Hamburg ver­stärkt über­prü­fen.” (33).

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  3. Guido Froese

    1. Ich durf­te wäh­rend des Kulturdialogs eine von vier Arbeitsgruppen lei­ten. „Meine” Gruppe führ­te den Titel „Kulturstandort Schleswig-Holstein stär­ken, Kulturtourismus und Kreativwirtschaft för­dern“ und befass­te sich u.a. mit der Problematik des demo­gra­fi­schen Wandels und des Erhaltens kul­tu­rel­ler Infrastruktur im länd­li­chen Raum. Denn um den Kulturstandort zu stär­ken, müs­sen grund­le­gen­de Kulturangebote zunächst ein­mal erhal­ten wer­den. In unse­rer Arbeitsgruppe ent­stand daher die Idee der kul­tu­rel­len Knotenpunkte, die für die Kulturanbieter, dar­un­ter Musikschulen, Büchereien, Museen, VHSen u.a. als eine Art Dienstleister ver­net­zen­de und über­ge­ord­ne­te Aufgaben über­neh­men soll­ten, regio­na­le Interessen wahr­neh­men und als Ansprechpartner für dezen­tra­le Angebote zen­tra­ler Organisationen (TASH u.ä.) die­nen soll­ten. Der Aufgabenkatalog ist spä­ter ver­fei­nert wor­den.
    Die gewünsch­ten und benö­tig­ten Kernkompetenzen, die sich dar­aus ablei­ten, sind rela­tiv klar. Dazu gehört sicher nicht in ers­ter Linie, dass man „Kultur kann” — aber sicher scha­det es auch nicht.

    2. Ja, den Bildungsstätten sind in den letz­ten Jahren die Fördermittel des Landes emp­find­lich gekürzt wor­den. Dies hat in ein­zel­nen Fällen die­se Einrichtungen an den Rand der Handlungsfähigkeit gebracht. Gleichzeitig haben aber immer mehr Menschen Angebote der Bildungsstätten genutzt, ohne dass dies die Kürzungen aller­dings kom­pen­sie­ren kann. Unter dem Strich haben alle Bildungsstätten sehr hohe Eigenwirtschaftsquoten, z.T. bis zu 80%. Dies ist gemes­sen an ande­ren Kultureinrichtungen oder auch im bun­des­wei­ten Vergleich beson­ders hoch. Für das lau­fen­de Jahr hat es erst­mals seit über 10 Jahren eine Erhöhung der Zuwendung gege­ben. Diese hat die Kürzungen aus der letz­ten Legislaturperiode kom­pen­siert und auch einen Teil der (Lohn-)Kostensteigerungen der ver­gan­ge­nen Jahre. Dafür braucht es insti­tu­tio­nel­le Zuwendungen. Die hier und dort zu bean­tra­gen­den Projektfördermittel sind dage­gen kein Mittel für eine Finanzierung grund­stän­di­ger Aufgaben, son­dern für Sonderaufgaben in kul­tur­po­li­ti­schen Themenfeldern. Die Verwendung von Projektfördermitteln ist detail­liert und sach­be­zo­gen nach­zu­wei­sen. Die oben ver­mu­te­te „Instrumentalisierung der Mittel für die Kulturknotenpunkte als Zuschussmaßnahme für Bildungsstätten oder Volkshochschulen” kann es schon aus die­sem Grund nicht geben.

    3. Ja, Mittel müs­sen zuneh­mend auch von außen kom­men. Die Mercator-Mittel sind Folge des „Jahres der kul­tu­rel­len Bildung”. (Diese Idee hat Kulturministerin Anke Spoorendonk übri­gens anläss­lich einer Tagung in einer Bildungsstätte ent­wi­ckelt). Und ja, das Nordkolleg hat bei der Implementierung einer „Priorität Kultur” in der EU-Ostseestrategie eine wich­ti­ge Rolle gespielt. Als Träger des Ostsee-Kulturnetzwerkes ARS BALTICA und als deut­scher Vertreter im koor­di­nie­ren­den Gremium der Ostseeanrainer sind wir vor ein paar Jahren gemein­sam mit Vertretern der SH-Europaabteilung in Brüssel gewe­sen und haben hier­zu ers­te Gespräche geführt. Das war ein sehr dickes Brett, wel­ches wir da gebohrt haben, mit vie­len Gesprächen und Papieren. Mittlerweile ist die Priorität Fakt und wird von Schleswig-Holstein gemein­sam mit Polen koor­di­niert. Einige Projekte sind seit­dem in den Genuss von Seed Money und Förderungen gekom­men. Hierzu berät ger­ne unser Leiter des ARS BALTICA-Sekretariates.

    4. Zur Beantwortung der Frage, wel­che Rolle Bildungsstätten noch auf loka­ler, regio­na­ler, über­re­gio­na­ler, lan­des­wei­ter, grenz­über­schrei­ten­der und inter­na­tio­na­ler Ebene im Kulturbereich spie­len kön­nen, lade ich ger­ne ins Nordkolleg ein — eine Einrichtung, die schon seit vie­len Jahren als Kulturknotenpunkt tätig ist.

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